FCB – BVB in der Nachkritik

Ach, was schön so ein Pokal Halbfinale, insbesondere dann, wenn die Gegner FC Bayern München und Borussia Dortmund heißen. Ewige Rivalen, die vor kurzem erst noch gemeinsam im Champions League Endspiel standen, zumindest in dieser Saison in der Liga doch etwas weiter voneinander entfernt waren. Mentalitätsmäßig sowieso, aber darum soll es ja auch gar nicht gehen. Sondern dieser seltsame Pokalabend verdient doch noch einmal einer kleinen Nachkritik.

Die Fakten:

  • Borussia Dortmund schlägt den FC Bayern im Elfmeterschießen 2:0. Nach 90 Minuten stand es 1:1 unentschieden. Die Bayern konnten keinen ihrer vier Strafstöße versenken.
  • Der eingewechselte Kevin Kampel muss mit gelb-rot wegen wiederholten Foulspiels vom Platz (Xavi Alonso nicht, er hätte es auch verdient gehabt).
  • Bayern werden zwei klare Elfmeter verwehrt. Das Handspiel von Marcel Schmelzer sowie das überharte Einsteigen von Mitch Langerak gegen Robert Lewandowski.
  • Arjen Robben und Robert Lewandowski verletzen sich schwer.

Verwunderlich sind jedoch gleich zwei Punkte, über die kaum jemand öffentlich diskutiert: Pep Guardiola hat mit seinen Auswechslungen gehörig daneben gelegen. Und das klare Foul an Lewandowski, das ihm nicht nur eine Gehirnerschütterung, sondern obendrein einen Nasen- und Oberkieferbruch einbrachte, das jedoch ungeahndet blieb. Man darf getrost sagen, dass Schiedsrichter Gagelmann keinen guten Tag erwischt hat, so viel Objektivität muss man walten lassen dürfen.

Pep Guardiolas Mannschaft hatte bis zur 75. Spielminute alles, aber wirklich alles im Griff, jedoch verpassten die Bayern den Sack zu zumachen. Gelegenheiten waren da, Lewandowski hatte einen Lattentreffer und der nicht gegebene Elfmeter geschah ja auch noch weit vor dem Ausgleichstreffer.

Warum aber nimmt man Thomas Müller für Robben vom Feld? Ein Müller, der immer für ein Tor gut ist, der Elfmeter schießen kann und, weit wichtiger, der sich so gut wie nie verletzt? Mitchel Weiser hat ein klasse Spiel gemacht, keine Frage, aber man hätte diese Position eins zu eins tauschen können, ohne Umstellungen und die Dortmunder hätten sich weiterhin so schwer getan, wie die 74 Minuten davor.

Allianz ArenaThiago Alcantara für Bastian Schweinsteiger unmittelbar nach dem Ausgleichstreffer zu bringen, war dann noch unverständlicher. Thiago hatte sich kurz zuvor das Knie oder den Oberschenkel geprellt, aber somit hatten die Bayern zwei Sechser, die nicht, vorsichtig ausgedrückt, nicht gerade mit Dynamik glänzen können. Thiago ist nun mal seit seiner Genesung das belebende Element im Spiel der Bayern. Aber wahrscheinlich wollte Guardiola sicher gehen, dass Thiago auch für Barcelona fit ist. Zehn Minuten später war es dann Robben, der wieder verletzt raus musste, für ihn kam Mario Götze. Eine alternativlose Entscheidung. Damit war das Wechselkontingent aber auch erschöpft.

Sei es drum. Die Bayern hätten den Sack auch in der Verlängerung zumachen können. Schweinsteiger scheiterte gleich zwei Mal äußerst knapp. Wohl hatte aber auch der BVB beste Chancen ihr Tor zu machen.

Fast schon kriminell jedoch ist das Einsteigen von Langerak an Lewandowski. Der Dortmunder Torhüter geht natürlich zum Ball, nur steht der Körper von Lewandowski dazwischen, und so räumt er ihn einfach um und kommt erst danach an die Kugel. Manuel Neuer hatte im Endspiel gegen Argentinien ebenfalls sehr riskant seinen Strafraum gegen Gonzalo Higuaín verteidigt, jedoch war er eindeutig eher an der Kugel als der Argentinier. Langerak war das nicht. Schiedsrichter Gagelmann aber räumte lediglich die Fehlentscheidung bei Schmelzers Handspiel ein, nicht aber das Foul an Lewandowski in der zweiten Hälfte der Nachspielzeit.

Gut, natürlich sind es Fehlentscheidungen, die den Fußball immer wieder interessant machen. Eine Häufung davon ist glücklicherweise sehr selten geworden, wenn sie aber doch geschehen, empfindet man das nicht selten als ein klein wenig ungerecht.

Bildcredit: Allianz Arena Munich via photopin unter der CC Lizenz

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