Hands on: Die Sony a7r im Einsatz

Wer wie ich relativ häufig unterwegs ist und obendrein Bildmaterial mit nach Hause bringen soll, der schleppt nicht selten eine ganze Menge Fotokram mit sich herum. Kamerabody, zwei, drei, vier Objektive, Konverter, Filter, Akkus und Ladegerät eigentlich immer. Wer zwischendurch auch noch seine Fotos sichten und bearbeiten muss, der trägt auch noch den Laptop und externe Festplatten mit sich rum. Kurzum: Das füllt gleich ein zweites Gepäckstück und ist zusätzlicher Ballast, vor allem während der Reportage.

Doch am Fotomarkt tut sich ja so einiges, insbesondere bei den Systemkameras, die jetzt auch mit Vollformat um die Gunst der Kunden aus der professionellen Ecke buhlen. Im Falle der Sony Alpha 7R (a7r) heißt das konkret: traumhafte Auflösung, kleiner, schicker Kamerabody und zudem die Wahl zwischen Sony eigenen Objektiven oder welche vom Hersteller Zeiss. Letztere sind ja durchaus bekannt dafür, leistungsstarke Optiken herzustellen, und, so ist es auch in diesem Falle.

IMG_6669Jeder, der eine Spiegelreflexkamera gewohnt ist, kommt ziemlich schnell mit den entsprechenden Einstellungen der Sony a7r zurecht. Zwei Wahlrädchen oben für das jeweilige Moduswahl (manuell, automatisch, Video), und den Belichtungsregler, der netterweise im vorderen Wahlrad ebenfalls eingestellt werden kann, weil es Menschen gibt, die das gerne mit dem Zeigefinger machen. Oben dann der Blitzschuh.

Hinten dann eine typische Oberfläche moderner Digitalkameras mit den üblichen Funktionen. Sehr praktisch ist hier erneut das Wahlrad (diesmal für den Daumen) und die Custom-Mode-Funktion, so dass man insgesamt 9 Tasten für beliebige Funktionen belegen kann. Ganz oben dann der (digitale) Sucher.

Handling:
Obwohl ich doch etwas größere Hände habe, komme ich mit der Kamera gut zurecht, alle Funktionen sind schnell zugänglich man hat sie im Nu heraus. Für mich zunächst gewöhnungsbedürftig ist der digitale Sucher, weil er nicht so scharf abbildet, wie ich es von meiner Canon 5D Mark II her kenne.

Dafür aber ist der Sucher ein wahres Multitalent, weil er wirklich alles anzeigen kann und exakt so darstellt, wie die Bildinformation auf dem Sensor trifft. Perfekt für Bokeh und / oder Schärfekorrektur, das Peaking, also wo das Bild am Schärfsten ist, kann man sich direkt anzeigen lassen und auf Wunsch kann man sich das Histogramm ebenfalls anzeigen lassen. Das Beste: Alles geschieht ehe man den Auslöser durchdrückt.

Trotzdem konnte ich mich damit nicht so ganz damit anfreunden und kontrollierte nach einem Tag fast ausschließlich über das brillante Display. Das lässt sich horizontal ein wenig verschieben, so gelingt sowohl der „Kopf-“ als auch „Hüftschuss“. Angenehm ist der schnelle Autofokus, der bei allen Objektiven reibungslos funktionierte. Hier bewirbt Sony noch den Porträt-Autofokus (wer’s braucht), der angeblich bei Porträtaufnahmen Gesichter erkennt und auf die Augenpartie selbständig scharf stellt. Interessanter ist der „Lock-on-Autofokus“, mit dem man bestimmte bewegende Objekte im Fokus behalten kann. Das funktioniert ziemlich gut.

IMG_6670Was mich hingegen stört, ist, dass die Kamera im Vergleich zu einer DSLR behäbig ist. Gerade, wenn man ein paar Bilder in Reihe schießen muss, kommt sie nicht so richtig hinterher. Sony gibt an, dass sie 4 Bilder pro Sekunde schafft, wenn man neu fokussieren muss, dann sind es gerade mal 1,5 Bilder, aber ich habe die in der Praxis nicht hinbekommen. Eine Aktionkamera ist sie deshalb keinesfalls.

Bild-Resultat:
Ohne viel ins Detail gehen zu wollen, da ich ohnehin Bilder stets in RAW aufnehme und anschließend mit Lightroom und/oder Photoshop weiter verarbeite: Sie sind schon „out of the box“ ziemlich ansehnlich und knackscharf. Das Kleinbildformat sorgt zudem für kontrast- und detailreiche Bilder, was man bei dem Sensor mit 36,5 Megapixeln dann auch erwarten kann. Um die Auflösung zu erreichen, hat Sony der Kamera den optischen Tiefpassfilter vorenthalten, der normalerweise Moiré-Effekte unterdrückt. Im Alltagsbetrieb merkt man jedoch keinerlei Beeinträchtigungen.

Nett, aber für mich irrelevant sind High-ISO-Werte (bis 25.600), wobei man die Bilder bis 6.400 schon noch sehr gut verwenden kann. Darüber hinaus merkt man dann doch eine Portion Rauschen. Zudem ist der digitale Sucher bei dunkler Umgebung nicht mehr ganz so zuverlässig.

Optiken
Folgende Linsen kamen bei mir zum Einsatz:
– Sony 16mm f2.8 (SAL-16F28)
– Sony 35mm f1.4 G (SAL-35F14G)
– Zeiss Vario-Tessar T* 24-70mm f4  (SEL-2470Z)

Das Fischauge ist natürlich speziell, aber da ich auf einem Segelschiff unterwegs gewesen bin, kam es natürlich auch öfter mal zum Einsatz. Für Bokeh-Aufnahmen musste das 35er drangeschraubt werden (mit Adapter) und das Zeiss war quasi das „Immerdrauf“, das klaglos, aber hervorragend seinen Dienst verrichtete. Eine durchgängige Blende von 4 ist auch sehr ordentlich und für Reportagezwecke ist auch die Brennweite von 24 auf 70mm vollkommen ausreichend.

Fazit
Die Kamera schlägt sich von der Bildqualität her mehr als wacker und sticht mit den verwendeten Optiken auch die Canon 5D Mark II aus. Als kleiner, praktischer Reisebegleiter könnte ich sie mir sehr gut vorstellen. Sobald man jedoch auf schnelle Serienbilder und schnelles Fokussieren angewiesen ist, muss man mit Einschränkungen rechnen. Während Dunkelheit fremdle ich auch mehr mit der Alpha 7R, allerdings fotografiere ich da selten, also fällt es für mich nicht so sehr ins Gewicht. Wer sie jedoch weitgehend bei „Available Light“ einsetzt, der wird mit dieser Systemkamera definitiv glücklich werden.

Bilder von der Sony a7r im Reiseeinsatz findet man hier: http://caiman.de/03_15/kol_2/index.shtml

Pro:
– Geringes Gewicht
– hervorragende Bildqualität dank Vollformat und ordentlichen Reserven für hochauflösende Prints
– Sucher und Display bieten ein Mehr an Funktionalität
– Frei belegbare Tasten erleichtern das Handling
– schickes Gehäuse

Kontra:
– relativ langsam bei Serienbildern
– digitales Sucherbild schwächelt bei Dunkelheit
– mit ca. 2000 Euro nur für den Body, noch vergleichsweise hoher Preis

 

Ein Kommentar

  1. Sarah Ebenfeld 22. Dezember 2016

Kommentar schreiben