Formschwäche oder Schongang für höhere Aufgaben?

Es ist schon wirklich interessant: Dem FC Bayern wird von allen Seiten eine Krise herbeigeschrieben. Seit dem „Punktverlust“ gegen Hoffenheim folgen zwei Niederlagen gegen Augsburg und Dortmund und es geht quasi stetig bergab mit dem Verein aus dem Süden, der zudem nur mit Ach und Krach gegen Manchester United im Viertelfinale der Champions League weitergekommen ist. Wenn man das alles so liest, darf man fast schon froh sein, dass sich die Bayern tatsächlich schon die Meisterschale gesichert haben, denn sonst müsste man sich ernsthaft Sorgen machen, ob sie nicht vielleicht unversehens im Abstiegskampf mitmischen. Die Lage ist ernst.

Warum aber ist die Diskussion über die „Überbayern“ plötzlich so einhellig wie entrückt? Sie haben guten bis sehr guten Fußball gezeigt seit ihrem Trainer-Experiment mit Pep Guardiola. Kein Experiment mit dem besten Vereinstrainer der letzten Jahre an sich, sondern mit seiner Umstellung auf ein vollkommen anderes System. Anfangs ruckelte sein 4-1-4-1 System jedoch gehörig, aber es lief immer runder und runder. So rund, dass man sich flugs den Meistertitel in Rekordzeit angelte und zwischenzeitlich mehr als 20 Punkte Vorsprung auf den zweiten Tabellenplatz erarbeite. Genau, erarbeitete. Mögen die Bayern noch so viel Geld haben, mag man Häme für den gestürzten Präsidenten Uli Hoeneß übrig haben, man darf auch mal sagen, dass sie ihre Einnahmen einigermaßen clever in den letzten Jahren investiert haben und zudem auch daran arbeiten, um genau da zu stehen, wo sie jetzt stehen. Da helfen auch keine Scharmützel über das zwei Millionen Darlehen an Borussia Dortmund, das deren President so vehement verteidigte und die weinerliche Attitüde, Bayern würde lediglich der Konkurrenz die Spieler weg kaufen.

Jetzt aber ist der Wurm drin. Oder soll drin sein. Ein Negativlauf sozusagen. Thiago Alcantara ist verletzt, Pep Guardiolas wichtiger Puzzlestein. Ein paar andere Spieler ebenfalls und dazu noch Sperren, was also sollte der Trainer denn machen als den Fuß vom Gaspedal zu nehmen und einigen jungen Kickern aus der zweiten Reihe eine Chance zu geben. Unverschämt, weil wettbewerbsverzerrend, wie der Schalker Manager Horst Held sogleich mutmaßte oder einfach nur überheblich bis dumm? Kein’s von alldem. Noch. Es ist schließlich schrecklich normal, dass man, wenn man die Nahziele erst einmal erreicht hat, auch einmal durchpusten darf. Selbst Profis mit sehr gut dotierten Verträgen sei das zugestanden. Aber eigentlich schreibt man die Bayern jetzt ja schon komplett ab, weil sie ihren viel zitierten Rhythmus verloren haben. Natürlich müssen sie den Schalter in Madrid umlegen. Natürlich müssen da mehr als vier, fünf Pässe nacheinander an den eigenen Mann gehen, vielleicht sogar sehr viel mehr, aber glaubt man tatsächlich, dass der FC Bayern gegen Real Madrid so spielen wird, wie jüngst gegen Eintracht Braunschweig? Bei aller Liebe, das ist schon ein klein wenig vermessen. Das ist vom Kopf her schon eine ganz andere Herausforderung und, wer, wenn nicht die Bayern, werden diese Aufgabe lösen können? Ich jedenfalls bin sehr gespannt, was die Sportreporter am Mittwoch Abend schreiben werden. Klar ist jetzt schon, entweder oder. Und nichts dazwischen. Es ist schon fast traurig, wie ein Verein sogar bei der Journaille derart polarisiert. Sogar wenn er Titel holt. Sogar, wenn er jüngst vielleicht wieder gewinnt und bald im Finale der Champions League steht. Und sogar, wenn er überhaupt gar nicht spielt. Und am allermeisten wird natürlich geschrieben werden, wenn der Rhythmus auch im Bernabeu nicht gefunden werden kann. Sogar das wäre möglich, lasst sie doch einfach mal antreten.

4 Kommentare

  1. App Development Bangalore 27. Februar 2017
  2. App Development Bangalore 27. Februar 2017
  3. Peter 30. April 2014
  4. Micha 28. April 2014

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