Wann steigt Lothar aufs Karussell?

… Oder: Dürfen die das in der Bundesliga überhaupt?

Man darf vorwegschicken: Sie dürfen. Warum soll ein Unternehmen, und auch bei Fußballclubs handelt es sich letztlich um Unternehmen, nicht ihre Leute austauschen dürfen? Felix Magath coacht binnen einer Woche zwei verschiedene Clubs in einer Spielklasse, Ralf Rangnick geht zurück zu Schalke 04, Robin Dutt geht nach der Saison von Freiburg nach Leverkusen, wo Jupp Heynckes aufhört (,um wahrscheinlich zum FC Bayern zu gehen). Zuvor ward auch noch Armin Veh vom HSV entlassen und wenn es so weitergeht, dann hat der gestrige Jubilar Lothar Matthäus auch noch eine Chance auf eine Rückkehr in die Bundesliga. Schließlich wird an dem ein oder anderen Trainerstühlchen auch weiterhin fleißig gesägt werden.

Irgendwann macht's halt der Loddar

Die jüngsten Ereignisse im bunten Trainerkarussell werfen kein gutes Licht auf die heimische Liga, sagen verschiedene Medien. Das wiederum kann aber anderen Ligen herzlich egal sein. Es gibt nur eine Handvoll internationaler Clubs die wirklich lange an ihren Trainern festhalten. Arsenal, Manchester United  und Barcelona dürfte einem einfallen. In der Bundesliga natürlich noch Werder Bremen. Dann ist aber auch schon Schluss. Den Trainern möchte man gar keine Vorwurf machen, die wollen schließlich alle auch nur irgendwo in Lohn und Brot stehen. Und warum bitteschön sollten sich Trainer mehr mit dem jeweiligen Verein identifizieren als die Spieler?! Vor dem Stichwort Söldnermentalität sind auch diese Herren nicht gefeit.

Sehr wohl aber sagen die jüngsten Rochaden eine ganze Menge darüber aus, wie einige Clubs tatsächlich geführt werden. Ohne Kontinuität, konzeptfrei, konfus. Das ist die eigentliche Tragik dieser Ereignisse. Und jetzt kommt auch noch Christoph Daum zurück nach Deutschland, wo er Michael Skibbe ablöst. Die Eintracht aus Frankfurt soll er stabilisieren und wahrscheinlich wird nach dem ersten Sieg sogar ernsthaft über Plätze in der Tabelle nachgedacht, die zu internationalen Wettbewerben berechtigen. Gleiches gilt für den HSV, die mit Michael Oenning aber immerhin einen guten Nachwuchs-Coach mit gehörigem Potenzial auf der Bank haben. Davon kann bei Wolfsburg jedoch keine Rede sein. Ein Bentley, wenn die neue alte Mannschaft von Magath nicht absteigt, gibt’s vom Club für Deutschlands berühmtesten Teeumrührer. Wahrscheinlich dürfen die Spieler noch ein, zwei Einheiten am gefürchteten „Berg der Leiden“ inklusive Sprintrampe und Treppe absolvieren, ehe der Chef die Luxuskarosse sein eigen nennen darf. Aber Anreiz muss schließlich sein. Wahrscheinlich wird er mit eben jenem Auto dann auch wieder in neun Monaten vom Hof fahren…

Die Frage drängt sich aber dennoch auf: Dürfen die das? Oder anders: Sollen sie das dürfen? Noch-Bayern Trainer Louis van Gaal spricht nämlich von Wettbewerbsverzerrung und der Neu-Stuttgarter-Couch meinte gar, er könne jetzt seine Vorbereitung „in die Tonne kloppen“, weil nicht mehr Pierre Littbarski, sondern Magath auf der Wölfe-Bank platz nahm. Ein wenig übertrieben, aber es trifft den Kern. Wie kann es angehen, dass Spieler nur zwei Mal im Jahr in einer kurze Periode Gespräche mit anderen Vereinen führen und wechseln dürfen, wohingegen Trainer frank und frei hinter den Kulissen neue Deals einfädeln dürfen? Und dann auch noch mit Vereinen, die in der gleichen Liga spielen. Deshalb plädiere ich schon jetzt für eine Neuerung für die kommende Saison: Fairnesshalber sollten die Trainer einfach alle vier Spieltage die Mannschaft wechseln müssen. Nicht dürfen, MÜSSEN. So könnte sich jeder Verein jeden Monat mit einer neuer Philosophie, einem anderen Jugendkonzept, anderen Personalvorstellungen schmücken. So blieben sie dynamisch und die Liga hätte eine Vorbildfunktion für ganz Europa.

Ach ja, die Rochade gilt natürlich gilt natürlich nur für Trainer und nicht Co-Trainer und Stab. Ein bisschen Kontinuität soll in den Vereinen natürlich schon noch gewahrt bleiben.

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