„Guttenberg ist ein Betrüger“

Ach, unser allseits geliebter Verteidigungsminister. Er hat plagiiert. Aber ganz ohne sich dessen bewusst zu sein. Ehrenwort. Kann man doch glauben. Ist ohnehin nur eine Formsache so eine Doktorarbeit und inhaltliche oder formale Fehler lediglich eine Bagatelle. Da kann einem bei der Fülle von Quellen und Literatur schon das ein oder andere Zitat durchrutschen und wichtige Fußnoten abhanden kommen. Das ist doch menschlich. Zutiefst menschlich sogar. Und überhaupt: Gibt es nicht viel wichtigere Dinge auf der Welt? Tote Soldaten in Afghanistan etwa und die Bundeswehrreform?!

Guttenberg und das Plagiat | © Guttenplag Wiki

Da hat die Bevölkerung doch sicherlich Verständnis, wenn der Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg Anschuldigungen, er hätte im ganz großen Stile plagiiert, im Vorfeld kurzerhand als „abstrus“ wegzuwischen. Wer weiß denn schon übermorgen, dass diesem Herrn Karl Theodor zu Guttenberg da ein kleiner Lapsus in seiner Doktorarbeit unterlaufen ist?! Schwamm drüber. Schließlich hat er es nach massivem Druck der Medien doch zugegeben, dass nicht alles ganz astrein zitiert wurde. Aber, darauf legt er nun wirklich viel Wert, er hat keinesfalls bewusst getäuscht. Nein, nein, bei der knapp 500 Seiten dicken Doktorarbeit fand man gerade mal 290 Seiten auf denen plagiiert wurde. Oder getäuscht. Oder Urheberrecht verletzt. Ein dickes Ding? Der amtierende Verteidigungsminister sieht das natürlich ganz anders. Schließlich hat er doch mittlerweile zugegeben, dass er „den Überblick über seine Quellen etwas verloren haben könne“ und über diesen Lapsus selbst am unglücklichsten sei. Aber, hey, es gibt doch Wichtigeres. Er hat es jetzt schließlich selbst zugegeben und für diesen Mut taugt er doch wunderbar auch als Vorbild. Da kann man einfach mal die Beweisführung umkehren. Nein, er gehe wegen dieses schnöden aberkannten Doktortitels doch nicht aus dem Ministerialamt. Er doch nicht. Das hat doch nichts mit seiner Leistung als Politiker und Verteidigungsminister zu tun.

Rotzfrech ist das alles. Und nur die Professoren und das Bildungsbürgertum ist entsetzt wegen dieser Abwertung der Wissenschaft. Guttenberg hilft geradezu, dass man das Studium, Bachelor, Master, Diplom, Promotion als lästige Sandkastenspielereien verkennt. Ein Titel und gut ist’s. Wie, ist doch eigentlich sch….egal. Immerhin wissen wir seit dieser Diskussion, dass zwischen „summa cum laude“ und Aberkennung des Doktortitels eigentlich nicht wirklich viel dazwischen liegt.

3 Kommentare

  1. admin 30. März 2011
  2. Mannie 2. März 2011
  3. admin 28. Februar 2011

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