Der Apfel wird allmählich faul

Oder: Wie Computerhersteller Apple mit dem „Mac App Store“ erneut eine weitere Geldvernichtungsmaschine anwirft

Pünktlich zum Nikolaustag veröffentlichte Apple seinen Mac App Store. Ähnlich wie schon mit dem überaus erfolgreichen App Store für das iPhone sollen Nutzer künftig ihre Software bequem über den eigens kreierten Vertriebskanal beziehen. Und künftig bitteschön nur noch über diesen, schließlich birgt das jede Menge Vorteile:

– Software suchen und mit einem Klick laden
– Software finden, von deren Existenz man noch nie gehört hat, die sich jedoch als clevere Helferlein entpuppen
– „Immer die richtige App finden“, um produktiv weiterarbeiten zu können
– Vergleichsweise günstigere Preise als im herkömmlichen Handel

Das neue virtuelle Apfel-Software-Stübchen | ©Apple

Auf den ersten Blick sieht das für den Endanwender doch wunderbar aus. Allerdings gibt es einige Ungereimtheiten (ugs. Nachteile), die man ebenfalls nicht außer Acht lassen sollte.

Die Motivation hinter dem Mac App-Store für Steve Jobs & Co. ist  klar: Sie möchten Geld verdienen. Entpuppte sich der App-Store für das iPhone als wahre Lizenz zum Gelddrucken, soll jetzt das gleiche mit Software für die großen Apple Rechner folgen. Immerhin gibt es gleich zur Eröffnung zahlreiche Überraschungen, was die Preisgestaltung anbelangt. So wird Aperture 3 für über die Hälfte günstiger im hauseigenen Software-Stübchen angeboten. Da werden sicherlich einige User (nicht ganz zu Unrecht) schwach werden.

Gefüttert wird der Mac App-Store natürlich ausschließlich mit Software, die man im Hause Apple für „gut genug befindet“, um es in den elitären Katalog zu schaffen. Entwickler zahlen eine jährliche Developer Lizenz (im App-Store 90 USD) und vom Verkaufserlös behält Apple rund 30 Prozent ein (irgendwo hatte ich auch 40 gelesen). Schließlich stellt das Unternehmen die Plattform und wickelt die Bezahlung und Lizenzgebühren ab. Alles super bequem.

Für Entwickler ist das natürlich eine gehörige Gängelung: Bis ein Stückchen Software tatsächlich im Apfel-Korb landet, vergeht eine nicht unerhebliche Zeit – und es besteht immer Gefahr, dass das App durchfällt. Was Apple nämlich nicht gefällt (oder in direkter Konkurrenz zu eigenen Produkten steht), wird schlicht abgelehnt. Und hier wiederum wird es auch für den Endnutzer zur Gängelung: Er wird bevormundet. „Was Apple nicht gefällt, wird nicht zugelassen“, klingt eben nicht nach einem Ladengeschäft mit einem ausgewogenen Sortiment, sondern einer Vorstufe zur Monopolisierung des Angebots (der Vertriebskanal ist es ja bereist schon). Ein weiterer Nachteil: Es ist derzeit noch nicht möglich, Programme einfach mal anzutesten, um sie später käuflich zu erwerben und auch bezahlte Upgrades sind (noch) nicht vorgesehen. Lustigerweise konnte es Sophia Teutschler nicht schnell genug gehen, um in den Mac App-Store zu gelangen. Die Entwicklerin des beliebten Cover-Such-Programms „Cover Sutra“ vertreibt ihre Software ab sofort nur noch via Apple. Bereits lizensierte Programme (upgradefähig!) behalten zwar ihre Gültigkeit, aber für das fällige Upgrade muss dann doch wieder bezahlt werden. Es riecht nach Verarschung Vertragsbruch.

Es ist nicht ganz unvorstellbar, dass Apfel-Rechner in ein, zwei Jahren ausschließlich mit Apps aus dem hauseigenen Software-Store gefüttert werden sollen können. Bei dem Gedanken daran, ich sag es ganz ehrlich, wird mir schlecht. Und ich stelle mir die Frage, ob ich dann tatsächlich noch einen Rechner mit angebissenem Apfel-Logo haben möchte. Es ist wunderbar, wenn Maschinen hardware- und betriebssystemseitig aus einem Guss entwickelt wurden,weil sie dann reibungslos laufen. Für Software gilt das aber nur sehr bedingt und kommt einer starken Bevormundung des Nutzers gleich. Ob es jetzt ein Lichtblick ist, dass Adobe, Microsoft & Co. noch nicht in den Store wollen, sei mal dahingestellt.

2 Kommentare

  1. Philipp 24. Januar 2011
  2. admin 8. Januar 2011

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