Die Fußball-Langeweile

Kurz bevor sich das Jahr 2010 mit Riesenschritten dem Ende entgegen neigt, darf es hier endlich mal wieder um König Fußball gehen. Ereignisreich war dieses Jahr. Und Spannend. Und ungewöhnlich.Bayern wird Meister (nicht ganz ungewöhnlich), Pokalsieger und mit etwas mehr Mumm hätten sie sogar die Champions League gewinnen können. Sie spielen guten Fußball (sehr ungewöhnlich) und adaptieren ein System, das man sonst vom FC Barcelona kennt, wo Messi, Xavi, Iniesta & Co. wirbeln. Viel Ballbesitz und den Gegner mürbe spielen. In der Liga funktioniert das gut und ist auch irgendwie ansehnlich. Aber da gibt’s ja auch noch eine Weltmeisterschaft zu bestreiten.

Der Ball rollte 2010 verdammt oft

Eine junge Deutsche Nationalelf spielt. Und wie sie spielt. Die Vorrunde ganz in alter Tradition mit ein bisschen angezogener Handbremse, Angst und jeder Menge Rumpelfußball, in der K.O.-Phase geht es dann jedoch hoch her. Ein 4:1 gegen England und ein 4:0 gegen Argentinien schüren die Hoffnung, dass da wirklich etwas Großes klappen könne. Doch der Traum endet mit einem hundsmiserablen 0:1 gegen den späteren Weltmeister Spanien. Ohne Verve, ohne Mut und mit einem nahezu körperlosen Spiel kann man eigentlich gegen keinen Gegner gewinnen, sicherlich aber nicht gegen die Spanier.

Doch mal ehrlich, wo war sie wirklich die Attraktivität des spanischen Spiels bei dieser Weltmeisterschaft? Den Gegner mürbe spielen, das soll attraktiv sein? Den Ball ausschließlich in den eigenen Reihen halten ist gut für die eigene Sicherheit innerhalb der Mannschaft, aber für den Zuschauer attraktiv? Sicherlich nicht. Ein Blick auf die Statistik zeigt jedoch ganz treffend, wie unansehnlich dieses spanische Spiel tatsächlich gewesen ist. Acht (8!) Tore im ganzen Turnier haben tatsächlich gereicht, um Weltmeister werden. ACHT TORE! Und bei nur zwei Gegentoren kann man sich auch gut vorstellen, wie eng der Abwehrriegel um den Lockenkopf Carlos Puyol tatsächlich war. Nennt man das jetzt Fußballkunst oder eher Fußball destruktiv? Obendrein führt eine derartige Ballverliebtheit dazu, dass man auch mal auf die Socken bekommt. Hier noch eine Drehung, da ein Haken anstatt den Ball zu spielen. Nein, das machen sie natürlich auch, aber sie wundern sich, warum sie von Zeit zu Zeit auch mal eine auf die Socken bekommen. Wie sagte mein Trainer früher schon: „Wenn Du nicht abspielst, dann klopft halt auch mal einer drauf, da brauchst Dich nicht beschweren.“

Interessant ist aber doch, wie wenig man das Spiel von Barcelona kopieren kann. Dieses Tiki-Taka bringt in der Liga sensationelle Spiele mit sich. Allein gegen Real Madrid schossen die Katalanen fünf Tore. FÜNF Tore. In einem Spiel. Die spanische Nationalelf schaffte derer acht in ganzen sechs Partien. Es gibt also eine gewaltige Diskrepanz zwischen der K.O.-Phase und dem Ligabetrieb. Für gewöhnlich ist es ja immer umgekehrt. Die Gruppenphase ist langweilig (so geschehen bei der Weltmeisterschaft oder in der aktuellen Champions League), die K.O.-Runde wird hingegen interessant. Man erinnere sich nur an das Finale in der Chamions-League zwischen AC Milan und dem FC Liverpool. Selbst das letztjährige Finale des FC Bayern und Inter Mailand war ansehnlicher als ein Spiel der spanischen Nationalelf. Sind sie deswegen ein schlechter Weltmeister? Natürlich nicht. Wer am Ende oben steht, hat bekanntlich immer Recht. Aber es ist nicht schön anzusehen.

Was jedoch wirklich Hoffnung macht, ist eine Tendenz zu einem offensiveren Fußball, der auch beim Zuschauen wieder Spaß macht. Bestes Beispiel ist Borussia Dortmund, die eine sensationelle Hinrunde gespielt haben. 39 Tore erzielt, 11 hineinbekommen. Da sieht man sehr wohl, dass ein Spiel noch immer entscheidend in der Abwehr gewonnen wird. Aber es heißt glücklicherweise nicht, dass man in 17 Spielen gerade mal 25 Tore schießen muss, um ganz oben zu stehen. Leider konnten sie diesen hemmungslosen Stil international nur ansatzweise zeigen. Ich bin mir aber sicher, dass der Stil erst dann mehr Nachahmer finden wird, wenn Dortmund tatsächlich den Titel holt. Sonst rühren wir weiterhin spanischen Beton an und loben den FC Barcelona in den Himmel, wo der doch auch nicht jedes Jahr die Champions League gewinnt.

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