O Captain! My Captain!

Herrlich! Fußballdeutschland hat wieder mal nichts besseres zu tun, als wochen-, ja fast monatelang nur über einen Fetzen Stoff am Oberarm zu diskutieren. Philipp Lahm will, Michael Ballack auch, Joachim Löw bleibt salomonisch und offiziell dürfen jetzt beide. Ballack Nummer 1, Lahm Nummer 2. Da fragt man sich doch, ob die millionenschweren Kicker nicht vielleicht doch den Kindlichkeitsbogen überspannen. „Nein, ich will aber Anführer sein“. „Nein, ich bin Anführer, Du nur Mitläufer“.

Immerhin, die Statuten schreiben vor, dass von den elf Spielern auf dem Platz einer diese Binde anhaben muss. Dem Verband ist es jedoch herzlich egal, ob der Mann mit Stoff auch was zu sagen hat. Eigentlich wäre er derjenige, der auf dem Feld mit dem Schiedsrichter sprechen darf. Schaut man sich dann aber mal die einzelnen Bundesligaspiele an, merkt man recht schnell, dass so ziemlich jeder auf dem Platz dem Schiedsrichter das ein oder andere Wörtchen zu sagen hat. Nur wenn’s wirklich zu viel ist, bekommen sie das mit einem gelben Karton quittiert. Weitaus öfter aber bleiben sie straffrei. Das hat sich halt so eingebürgert, wie das Trikot zupfen und der Ausspruch der Kommentatoren: „Das war kein elfmeterwürdiges Foul“.

Alle wollen Kapitän sein

Was aber hat Ballack, was Lahm nicht hat? Die Frage ist leicht zu beantworten: eine rosige Zukunft vor sich. Eigentlich ist die ganze Geschichte so einfach, wie leicht verständlich, dass man sie schnell abhaken könnte. Wenn sie nicht auch eine Portion Gemeinheit und Tragik beinhalten würde. Da tritt der (böse) Boateng den Kapitän Ballack nieder, so dass der um seine Weltmeisterschaft gebracht wird. Anschließend springen die jungen Burschen in die Bresche, spielen endlich mal ansehnlichen Fußball und schwupp, ist für Ballack kein Platz mehr im Team. Das jedoch sind ganz gewöhnliche Mechanismen im Fußballgeschäft. Wer seine Leistung nicht bringt oder, umständehalber, diese nicht bringen kann, der rotiert einfach auf die Bank. Da ist es zunächst egal, wie viele Meriten er für das Nationalteam eingeheimst hat. Nicht von ungefähr kommt es, dass Oliver Kahn Ballack den Rücktritt nahelegt. Er wurde ja selbst ausgebremst für einen Lehmann, der nicht wirklich der bessere Torhüter war / ist.

Schwerer dürfte da schon wiegen, dass Ballack in der Mannschaft mit seinem Gockelgehabe nicht ganz so gut ankommt bei den jungen Özils, Khediras, Marins oder Podolskis. Letzterer hatte ihm auch mal eine Ohrfeige verpasst, was dieser sicherlich nicht so gut gefunden haben dürfte. Die Konsequenz für Poldi? Er musste eine Autogrammstunde zur Strafe verrichten. Da orientiert man sich schon eher am nur etwas älteren Lahm, der selbst dann ein Vorzeigeprofi ist, wenn er der Süddeutschen ein wohl kalkuliertes, nicht autorisiertes Interview gibt. Deshalb ist es auch so bemerkenswert, dass Löw seinem Kapitän Ballack den Rücken nicht stärkt. Jeder müsse sich beweisen, Konkurrenz belebt das Geschäft, niemand ist gesetzt. Außer, ja außer Philipp Lahm. Spannend ist die K-Frage nun wirklich nicht mehr.

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