WM: Endlich mal nicht vorne dabei

oder: Erklär mir doch einer die Mechanismen der (Fußball-) Wirtschaft

Mensch, sind die deutschen Kicker aber genügsam. Gerade einmal 250.000 Euro bekommen sie für den Titelgewinn in Südafrika. Für alle 23 Spieler versteht sich. Dazu käme obendrein eine Prämie von 150.000 Euro für das Vordringen ins Finale. Diese Summe soll aber auch alle Beteiligten im Hintergrund erhalten. Wenn man das mal kurz ausrechnet, ergibt sich:

– WM-Prämie für 23 Spieler: 5.750.000 Euro
– Prämie für das Erreichen des Finales (ca. 30 Personen): 4.500.000 Euro

Den hübschen Betrag von 10.250.000 Millionen Euro können „unsere Jungs“ also dem mächtigen Deutschen Fußballbund (DfB) aus den Rippen schneiden. Wobei, so klamm dürfte der ja gar nicht sein. Und wahrscheinlich sind darin noch nicht einmal die Auflaufprämien oder Bonuszahlungen für das Erreichen des Achtel-, Viertel- oder Halbfinales mit eingerechnet.

Mit Fußball kann man ja doch Geld verdienen

Ein Spieler kommt also – im Falle des Falles – auf mindestens 400.000 Euro. Für einen Monat WM plus ein wenig Vorbereitung. Das ist kein schlechtes Geld für ein bisschen Fußballspielen (vor allem die Bankdrücker). Aber dass wir deshalb noch lange nicht in der ersten Liga spielen, zeigen andere Nationen wie Spanien (600.000 Euro für den Titel pro Spieler), Argentinien (510.000 Euro), England (470.000 Euro) oder Brasilien (445.000 Euro). Sogar die klammen Franzosen schütten 50.000 Euro mehr aus (300.000 Euro) als die Italiener (wie Deutschland 250.000).

Beim Betrachten solcher Summen kann doch von wirtschaftlicher Rezession keine Rede mehr sein. Spanien geht es ja gerade seit dem Jahre 2008 richtig gut, England ebenso und Argentinien ist schon seit 2001 dabei, wieder komplett die ökonomische Vorherrschaft in Lateinamerika zu übernehmen. Um Brasilien,  eine der mächtigsten Wirtschaftskräfte in Südamerika, ist es traditionell gut bestellt. Und schließlich will man 2014 den WM-Titel im eigenen Land verteidigen.

Immerhin regt sich aber auch Widerstand gegen eine solche Verschwendung für bereits hochdotierte Kicker. Spaniens Linke geißelt solche Summen bei leeren Staatskassen als „überzogen, beschämend und obszön“ und auch den Italienern bläst gehörig Gegenwind ins Gesicht. Ändern wird das freilich wenig, ausgehandelt ist nunmal ausgehandelt und wer verzichtet schon gerne aus moralischen Gründen auf viel Geld?

Interessant wäre die Rechnung jedoch, wenn die Summen der nationalen Verbände so oder so ausgeschüttet werden würden. Sie stehen ja offenbar ohnehin bereit. Der Einfachheit werden lediglich die bereits genannten Nationen behandelt. Weltmeister wird, na klar, Deutschland, also kommen die 10.250.000 Millionen nicht in den Topf (wäre ja auch nur ein „kleiner Posten“).

– Spanien: 13.800.000
– Argentinien: 11.730.000
– England: 10.810.000
– Brasilien: 10.235.000
– Frankreich: 6.900.000

Mit über 53 Millionen Euro ließe sich doch auch außerhalb des Fußballs etwas Sinnvolles anrichten, oder? Vielleicht könnte man dem angeschlagenen Chelsea unter die Arme greifen? Oder Real Madrid?

Übrigens, wie viel Ottos-Griechen für den möglichen Titelgewinn bekommen werden, diese Summen sind noch gar nicht durch die Presse gegangen. Ein Schuft, wer böses dabei denkt.

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