iPad oder uTod?

Oder: erklär mir einer die Wirtschaft Teil III

„No Logo“ hieß das Buch der „etwas“ linken Amerikanerin Naomi Klein. Da wurde eigentlich recht gut erklärt, wie große Firme ihre Markt- und vor allem Machtposition auf- und ausbauen. Um es kurz zu machen: Egal, ob Nike, Adidas oder Hilfiger, die meisten Firmen kommen da ganz und gar nicht gut weg. Produzieren brav in irgendwelchen „Fee Zones“ – und die stehen meist, na klar, in „Billiglohnländern“. Vorsichtig ausgedrückt.

Auch Apple macht da keine Ausnahmen. Foxconn dürfte zumindest für den angebissenen Apfel zum „very unpleasant word“ gekürt worden sein. Denn die chinesische Firma verbaut edle Technikkomponenten zu iPods – und neuerdings auch iPads, die Apple bekanntlich mit großem Erfolg und zu hohen Preisen vertreibt.

In der Apfel-Falle | ©Yutaka Tsutano/Flickr

Blöd nur, dass vom Erlös des neuen iPad, das bei Preisen von 500 Euro aufwärts angeboten wird, wohl nicht so ganz viel nach China überwiesen wird. 105 Euro verdient ein Arbeiter dort. Im Monat wohlgemerkt. Aber das eigentliche Problem ist nicht die magere Bezahlung (es entspricht immerhin dem chinesischen Mindestlohn), sondern vielmehr die Arbeitsbedingungen, unter denen die Leute dort arbeiten müssen. „Hart, stressig und öde, es herrscht ein militärischer Ton“ heißt es in einem Artikel der Berliner taz über eine Produktionsstätte. Auch, dass Arbeiter am Fließband nicht sprechen dürften und 60 Stunden Wochen eher die Regel, denn die Ausnahme sind. Das alles wäre jedoch noch nicht einmal besonders erwähnenswert (weil man sich an solche Berichte längst gewöhnt hat), wenn sich nicht in jüngster Zeit einige Selbstmorde bei Foxconn gehäuft hätten. Also muss es noch einen erweiterten Zusammenhang zwischen wenig Geld, viel Arbeit und desaströsen Arbeitsbedingungen geben. Warum sonst sollten sich Menschen einfach mal aus dem Gebäude stürzen?

Saubermann Apple will davon jedoch nichts wissen. Sollten sie aber. Denn wer als Firmencredo auch einen freien Tag pro Woche zusichert, der sollte auch zusehen, dass dieser tatsächlich eingehalten werden soll. Freie Tage bedeuten aber schlicht und einfach weniger Produktion und eine gleichzeitige Verteuerung derselben. Im Umkehrschluss jedoch weniger Gewinn bei gleichbleibenden Preisen. Das schadet nicht nur den Apfel-Aktionären, sondern auch dem Gewinn des Unternehmens selbst. Das will man aber natürlich auch nicht.

So tragisch die Selbstmorde auch sind, das wirklich schlimme an der ganzen Geschichte ist, dass sie niemanden zu interessieren scheint. Wenn überhaupt, wandern derartige Meldungen nur in die Randspalten der Medien, werden überlesen und schnell vergessen. Das hilft vor allem den Unternehmen – und den Medien. Denn wer will solche Nachrichten über den Heilsbringer des Verlagswesen schon bringen? Apple duldet menschenverachtende Zustände in seinen Produktionsstätten als Überschrift? Unvorstellbar. Eine gute PR sieht bekanntlich anders aus. Dabei tut das Unternehmen ja gar nicht so viel für die eigene Öffentlichkeitsarbeit. Das übernehmen ganz willfährig eine Medienlandschaft selbst, für die zunehmend Kritik im Zusammenhang mit Apple ein Fremdwort scheint. Kündigt Apple eine Keynote an, haben die nichts besseres zu tun, als sämtliche Gerüchte schon zwei Wochen vorher durchzukauen.

An den Mechanismen des Marktes ändern aber wohl auch Selbstmorde nichts. Apple schwimmt auf einer Welle, wo sie wohl auch gebrauchte Unterhosen verkaufen könnten. Wer sich einmal die Datenschutzrichtlinien (da sind wir Deutschen doch ansonsten immer so richtig empfänglich) des MobileMe-Dienstes durchliest, dem könnte Angst und Bange werden, was mit den sensiblen Daten alles passieren kann. Aber längst hat sich die trendige Apple-Community daran gewöhnt, sich nichts mehr aufmerksam durchzulesen. Einschalten, loslegen. Alles einfach. Und besser. Hauptsache keine Dose mehr. Gleiches gilt für das brave Hinnehmen von Zensur im „App-Store“ (diese kleinen Programme für iPhone und iPad), wogegen sich wenigstens ein paar Medien auflehnen wollen. Alles in allem wird das aber nichts an der derzeitigen Popularität des Konzerns ändern. Zwar ist der auf dem besten Wege vom ehemals vielgelobten „elitären“ Image herunterzusteigen, aber noch ist es nicht so weit, dass Kunden – aus welchen Gründen auch immer – einen Nichtkauf in Erwägung zögen. Die Betonung liegt auf noch.

2 Kommentare

  1. Peter 10. Juni 2010
  2. Andres 10. Juni 2010

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