Die WM der Trötenwanderung

Es sei südafrikanische Kultur, sagt Fifa-Chef Sepp Blatter. Und deshalb dürfe man es auch nicht verbieten. Das gemeine Volk könnte sonst unnötig bevormundet werden. Schließlich ist es doch die erste Weltmeisterschaft im Fußball auf afrikanischem Boden und ein Verbot käme einer Bevormundung gleich. Die Rede ist, wer hätte es gedacht, von den Vuvuzelas, jenen Tröten, die immer fort mit lautem „Ööööööö“ erklingen, als hätte irgendwer im Stadion in 34 Wespennester gleichzeitig gestochen.

Stein des Anstoßes: der Lärm der Tröten | ©kallejeep/photocase.com

Doch so vehement sich die Medien im Vorfeld der WM auf die bunten Tröten gestürzt hatten, so sehr stehen sie jetzt bei allen Beteiligten in der Kritik. Die Spieler (jammern, dass sie sich untereinander nicht absprechen können), die Trainer (ihre taktischen Anweisungen bleiben ungehört), die Medien (Interviews werden nach dem Spiel abgebrochen, weil niemand die Frage oder Antwort versteht) und auch noch die Zuschauer daheim vor den TV-Geräten (haben ARD und ZDF eine Tonstörung?), die, gänzlich enerviert, entweder den Ton oder die Glotze gleich ganz ausschalten.

Weil vor allem Letzteres für die Fernsehanstalten (Stichwort Werbung) keine Option sein dürfte, regt sich allerorts Widerstand. Immerhin will jetzt sogar Danny Jordan, der WM-Chef Südafrikas, über ein Verbot im Stadion nachdenken. „Solange der Lärm einige Spieler irritiert, werden wir alles dafür tun, um die Auswirkungen zu Minimieren“, sagt er in einem Interview. Und sogar die Fifa will plötzlich von der südafrikanischen Kultur nicht mehr so viel wissen: „Wir haben immer gesagt, wenn ein Land auf dem Platz darüber verärgert ist, werden wir handeln“. Einzig Fifa-Boss Blatter scheint das noch nicht so mitbekommen zu haben. Wobei, wenn die Finanziers tatsächlich zu laut jammern, dann könnte es ganz schnell gehen. Schließlich fängt bei Blatter das Verbiegen ziemlich sicher dann an, wenn es um die Kohle geht.

Aber ein Gutes hätte ein Verbot in jedem Falle: den Rückgewinn der Emotion während des Fußballspiels. Denn das gleichmäßige Rumgetröte macht diese vollkommen kaputt. Man hört keine Anfeuerungsrufe, keine Schlachtgesänge, kein Pfeifkonzert nach fiesen Tritten, gegen unerklärliche Schiedsrichterentscheidungen oder unsägliches Ballgeschiebe. Klatschen für eine gelungene Aktion? Fehlanzeige. Und wenn: man hört es einfach nicht. Ziemlich sicher werden die Vuvuzelas bald weitgehend aus den WM-Stadien verbannt werden. Spätestens zum Achtelfinale. Warum? Südafrika ist dann mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr im Turnier und Blatter könnte sein Gesicht noch ein paar Spiele lang wahren. Denn: um die Emotion im Spiel ist es dem Fifa-Gott leider noch nie gegangen.

3 Kommentare

  1. Andres 14. Juni 2010
  2. Andres 14. Juni 2010
  3. bembedikt 14. Juni 2010

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