Das große Aussieben

Heute ist es soweit: der vorläufige Kader für die Fußball Weltmeisterschaft wird bekannt gegeben. Spekulationen gibt es nicht zuletzt nach der Verletzung von Torhüter René Adler, wer denn nun die neue Nummer eins sein wird, aber, seien wir ehrlich, ist das ja nur eine Kleinigkeit. Ob Manuel Neuer oder Tim Wiese, spielt nun wirklich keine Rolle (wobei ich mir Wiese noch immer nicht im DFB-Dress und der Nummer eins auf dem Rücken vorstellen kann). Und dass der alte Jens Lehmann auch noch einen Meinung dazu hat, ist ohnehin klar und bedarf keiner weiteren Erwähnung.

Wer fährt mit, wer bleibt daheim? Vor der WM weiß man das nie genau.

Interessant wird’s jedoch, was vor dem Tor passiert. Phillip Lahm und Per Mertesacker dürften gesetzt sein, mal schauen, ob Jogi Löw die Courage hat, dazu einen Hummels oder Badstuber zu stellen (eigentlich hat er dazu keine Alternativen, aber wahrscheinlich darf Arne Friedrich ran. Gewissermaßen als Kompensation für eine katastrophale Saison mit der Hertha). Defensives Mittelfeld mit Michael Ballack und Bastian Schweinsteiger steht, davor könnte man getrost auf Toni Kroos, Mesut Özil und Marko Marin bauen. Allzweckwaffe Thomas Müller wäre universal einsetzbar und zur Not könnte auch Poldi links außen spielen, im Nationaltrikot bringt er ja ab und an noch ansprechende Leistung, wenn er seinem Kapitän mal keine runterhaut. Vorne streiten sich dann Miroslav Klose, Mario Gomez und Stefan Kießling um die freien Plätze. Bei einem System mit nur einem Stürmer, könnte Klose die Nase vorn haben, da aber so gut wie nicht eingesetzt bei den Bayern, würde ich doch Kießling auch ganz gerne sehen.

Leider ist der Fußballfan aber nicht ausschlaggebend dafür, in welcher Aufstellung die Deutsche Nationalelf tatsächlich spielen wird. Und dass Löw sich dem öffentlichen Druck beugt, widerlegt er ja ganz gern immer wieder aufs neue. Jüngst die Ausbootung von Kevin Kuranyi, zuvor schon die Absage an Torsten Frings (und glücklicherweise auch an die Adresse von Lehmann). Aber diese Personalien werden nicht über das Wohl oder Wehe des Deutschen Fußballs in Südafrika entscheiden. Eher schon Personalien in der Abwehr, immer noch die größte Baustelle. Da tummeln sich dann Namen wie Sedar Tasci, Christian Träsch oder Marcel Schäfer. Eigentlich muss einem da Angst und Bange werden, wenn man an Gegenspieler wie Diego Milito, Lionel Messi oder Thierry Henry (mit Abstrichen) denkt.

Mut macht hingegen das Überangebot an guten Spielen in der Offensive – das defensive Mittelfeld ist gesetzt und da braucht einem nun wirklich nicht Bange werden. Auch wenn ein Özil in der Saison mal ein wenig schwächelte, ein Marin vielleicht ein klein wenig überspielt scheint und die Stürmer unter chronischer Ersatzbankverbannung leiden, warum soll nicht gerade das einem WM-Kader gut tun? Erst schonen sie sich selbst – oder werden vom Trainer geschont, um eine ordentliche WM-Endrunde zu spielen. Außer Bayern, Bremen und Chelsea hat ja ohnehin kein Team eine deutliche Mehrbelastung zu stemmen und wer will Schweini, Ballack oder Lahm unterstellen, dass die nicht auch während der WM eine gute Rolle spielen können?!

Der bunte Mix aus gestandenen Nationalspielern und jungen, international unbekannteren Kickern hat aber auch Vorteile: Man kann schon mal unterschätzt werden und, was wohl wichtiger wiegt, man kann einen guten Teamgeist entfachen. Das verfolgt Löw mit seinem Team ja ganz eindrucksvoll: Wer nicht ins Gefüge passt, der fährt einfach nicht mit. Da kann ein Roman Weidenfeller jaulen und jammern, wie er will, er fährt nicht mit. Aus basta. Und eine solche Entscheidung kann man durchaus nachvollziehen. Schaut man die Saison des FC Bayern an, dann könnte genau diese Mischung aus Unbekümmertheit, unbedingte Leistungsbereitschaft und Erfahrung ausschlaggebend sein, dass der Titelhunger noch größer wird. Man darf also gespannt sein, wie ein (mutiger?) Löw die Mannschaft vorläufig zusammenstellt, oder ob sich dann auch so illustre Gäste wie Thomas Hitzelsberger oder Andreas Hinkel auf der Liste finden.

Ein Kommentar

  1. admin 6. Mai 2010

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