Die Wunderflunder?!

Allmählich wird es ja ein wenig langweilig. Die Firma mit dem angebissenen Apfel als Logo bringt ein neues Gerät auf den Markt, das als revolutionär gefeiert wird, obwohl es das gar nicht ist. Das iPad sieht schick aus, ist dünn und soll sämtliche Online- und Printinhalte abspielen können. In Echtzeit und superbequem. Mit einer anschließbaren Tastatur soll man dann auch noch schreiben können, wie man es gewohnt war und natürlich sollen die Omas und Opas bittesehr genau dieses Stück Technik kaufen, um ganz intuitiv die Zeitung der Zukunft lesen zu können.

Alles klar?

iPad = Wunderflunder? ©Apple

Verwundert reibt man sich die Augen, wie sämtliche Medien (sogar die, die gemeinhin als seriös einzustufen sind) diese Apple-Gerät preisen und stolz darüber berichten. In kürzester Zeit gibt es Reviews, nach drei Tagen erscheinen die ersten Langzeittests, wie und wo man mit dem Ding arbeiten kann. SPON berichtet von Hitzeschäden und das Apfel-Logo ist präsent wie einst es nur Microsoft war. Und tatsächlich feiern nicht wenige Medien das iPad als Messias, welches bitteschön dem angeschlagenen Journalismus auch im digitalen Zeitalter Einnahmen bescheren soll. Es wird ja für alles ein App geben. Das lädt man sich herunter, nachdem man brav ein paar Euro gen Cupertino überwiesen hat.

Überhaupt ist der Laden mit den kleinen virtuellen Helferlein schon seit dem iPhone ein voller Erfolg. iPhone-Besitzer können sich jetzt sogar genau dann wecken lassen, wenn ihr Schlaf nicht sehr tief ist. Der Bewegungssensor macht’s möglich. Aber Himmel, wer braucht denn sowas? Und wer braucht ein kleines Gerät, dass er auf die Couch mitnehmen kann, um dort Zeitung zu lesen? Gut, man kann auch noch Mails checken, Briefe schreiben, Online gehen, Videos gucken oder Games zocken können. Wunderbar. Frage: wer brauch das wirklich?

Diese Frage allerdings wird den Apfel-Produkten nicht gerecht. Denn es geht nicht darum, ob man ein Gadget aus dem Apple-Hause wirklich braucht, sondern schlicht um den Haben-Will-Faktor. Und darin ist Steve Jobs Firma schon seit geraumer Zeit gnadenlos gut. Obendrein auch im Vermarkten solcher Dinge, was jedoch dazu führt, dass man gerne die Hand auf alles hat. Das mag praktisch für den User sein, der ein komplettes Hard- und Softwarepaket bekommt, macht ihn aber auch zum unmündigen User, der nicht mehr so wirklich bestimmen kann, welche Software er darauf laufen lassen kann. Im iPad gibt’s nur noch Pages, für Word ist kein Platz (irgendwie auch logisch, ist es ja ein Apple-Dingsbums). Akku auswechseln? Anschlüsse? Die sucht man vergebens. Und dennoch sollen bei Verkaufsstart 300.000 Stück von diesen Dingern über die Ladentheke gegangen sein. Es ist schon erstaunlich, wie hipp plötzlich alle sein wollen und dafür auch mal ab 500 Dollar aufwärts hinlegen. Einfach so, ohne Not.

In Deutschland dürfte es vermutlich ähnlich sein. Mann und Frau wollen schließlich auf dieser Hippster-Welle mitschwimmen. Zumindest diejenigen, die es sich leisten können und die einen tieferen Sinn darin sehen, ein Gerät ihr eigen nennen zu können, für das es aus Ermangelung an Konkurrenten noch nicht einmal einen Vergleich gibt. Immerhin können sie jetzt als Beta-Tester ran und das Ding verbessern. Vielleicht gibt’s ja auch schon in absehbarer Zeit gar keine Laptops mehr, sondern man hackt auf virtuellen Tastaturen seine Geschäftskorrespondenz auf der Couch ins Display. Irgendwie eine gruslige Vorstellung, gerade wenn dann überall hinten ein Apfel drauf sein sollte. Man merkt doch allmählich in sehr vielen Dingen, dass Apple und Microsoft in der gleichen Garage angefangen und diese Monopolgängelungsgedanken tief in sich verankert haben.

Weitere Artikel auch unter:

http://neuerdings.com/2010/04/05/apple-ipad-warum-das-ipad-schlecht-ist
http://yuccatree.de/2010/04/warum-ich-keinen-ipad-kaufen-wurde-und-warum-das-egal-ist
http://www.padmania.de/wir-verlosen-ein-ipad-16gb-wlan-vor-dem-deutschlandstart

2 Kommentare

  1. El Miguel 23. April 2010
  2. Clemens 7. April 2010

Kommentar schreiben