Vom iPhone und dem Milchmädchen

Tatsächlich ist es so, dass iPod und iPhone der Firma Apple nicht nur außergewöhnliche wirtschaftliche Erfolge bescherten, sie wurden – ähnlich wie das beim Taschentuch und Tempo der Fall war – zum Synonym für mobiles Musikhören respektive Telefonieren. Außerdem sehen die Dinger schick und trendy aus, so dass der „Haben-Will-Faktor“ gepaart mit geschickt eingesetzter Werbung in ungeahnte Höhen getrieben wurde. Wohl dem, der sich von vornherein entschließen kann, so ein Gerät maximal mit dem Hinterteil anzuschauen. Denn wer einmal das iPhone in Händen hielt und Zeit fand, ein wenig damit herumzuspielen, der möchte es schnell nicht mehr weglegen und findet es schlicht richtig gut. Apfeljünger hin, trendbewusste Yuppies her.

Egal, ob mit oder ohne Vertrag: um das iPhone richtig nutzen zu können, muss man ein bisschen Geld locker machen

Doch das Habenwollen ist nicht nur in den USA, sondern auch hierzulande an einige Hürden gebunden worden. Man bekommt das iPhone nur mit Vertrag vom rosa Telekommunikationsriesen, der ist auf zwei Jahre ausgelegt und durch den „weitere Kosten entstehen“ und obendrein ist das Telefon nur auf das T-Mobile-Netz zugelassen. Wer tatsächlich Kunde bei der Telekom ist, für den ist die Hemmschwelle bedeutend geringer als für Leute, die erst mal durchschnaufen wollen, wo sie doch gerade erfolgreich jenes ehemalige Staatsunternehmen verlassen konnten (und auch ein solcher Wechsel ist nicht ohne!). Solche Leuten wollen nicht zurück – aber trotzdem ein iPhone. Zeit also, um ein wenig herumzurechnen, schließlich bekommt man die iPhones der neuesten Generation ja auch in Polen, Belgien oder Italien ohne Vertrag und ohne SIM-Lock.

Das wirklich Gemeine an dem Apfel-Gadget ist, dass man das Ding nur wirklich gut benutzen kann, wenn man auch damit ins Netz geht. Wozu brauche ich ein Smartphone, wenn ich nur ab und an mal Telefonieren und meinen Kalender griffbereit haben möchte?! Auf den Seiten des rosa Riesen findet man gleich mehrere Tarife, die man je nach eigenem Telekommunikationsverhalten wählen sollte. Im Einsteigerbereich kommen nur zwei Tarife in Frage:

– Complete S: 45,- Euro mtl.; einmalig 25,- Euro; kostenfrei entweder ins T-Mobile oder Festnetz, SMS zu T-Mobile und WLAN-Flatrate inkludiert. SMS in andere Netze kosten 19 Cent und Anrufe in das (nicht gewählte) andere Netz jeweils 29 Cent. Das iPhone 3GS mit 16GB  kostet nochmal 100,- Euro.
– Complete 120:  45,- Euro mtl.; einmalig 25,- Euro; 120 Freiminuten zum Telefonieren, 40 Frei-SMS. Folge SMS gibt’s für 19 Cent, Anrufe kosten 29 Cent. Das iPhone (s.o.) kostet nochmal 90,- Euro.

Macht beim Complete S in zwei Jahren mindestens 1.205,-, beim Complete 120 mindestens 1.195,- Euro aus. Ein recht stolzer Preis, um ständig online zu dürfen (zumindest in Deutschland). Wer jetzt nicht viele T-Mobile-Bekannte hat, kann schnell seine Kosten steigern, wenn er viele SMS in andere Netze zu versenden hat. Bei den Flatrate-Tarifen kostet der nächst höhere schon 60,- bei den Volumentarifen geht’s gar erst bei 70,- Euro weiter.

Also wirft der potenzielle iPhone-Kunde den Blick auf frei verfügbare Handys, die ohne SIM-Lock daherkommen. Meistens nach Italien, Belgien oder Polen. Mitunter wird das neue 3GS auch in Online-Auktionen oder einschlägigen Foren veräußert. Wer also irgendwann in nächster Zeit in Italien Urlaub macht, der könnte ja schon schwach werden. TIM Italia etwa veräußert das 3GS mit 16Gb derzeit mit 619,- Euro. Ohne Vertrag, ohne SIM-Lock. Allerdings braucht man dann einen alternativen Mobilfunkanbieter. Also auf zu den Discountern:

– Simyo: Alle Gespräche und SMS 9 Cent, eine verkappte Flatrate-Option mit 1GB kostet 10,- Euro. Die kann bei exzessivem Gebrauch auch vorzeitig enden. Ein MB kostet dann 24 Cent.

Ein vorsichtiges Beispiel: 100 Telefonminuten + 20 SMS und die Flatrateoption + italienischem iPhone auf 24 Monate gerechnet. Schwupp ist man auch beim Discounter bei 1.118,20,- Euro. Hat aber keine „echte“ Flatrate (dürfte für aber fast alles gut ausreichen), allerdings auch keine Vertragsbindung. Die könnte von Vorteil sein, wenn man viel im Ausland unterwegs ist, freie WLAN-Netze benutzt und konsequent den heimischen Festnetzanschluss benutzt, um ins Festnetz zu telefonieren.

Bei den anderen Anbietern ist es summa sumarum das Gleiche. O2 etwa bietet eine Handy-WLAN-Flatrate mit Online-Vorteil für 8,50 an, hinzubuchbar zu allen Tarifen. Der günstigste Tarif OHNE Handy gibt’s ebenfalls ab 8,50 Euro pro Monat. Wir überschlagen schnell auf 24 Monate: 1.027 Euro mindestens auf die zwei Jahre gerechnet nur für 100 Minuten Telefonieren und Internetgehen mit dem Handy. Kommen noch 20 SMS monatlich dazu (19 Cent), dann sind wir bei den berühmten 1.118,20 Euro – exakt der Preis, den man auch für das Simyo-Preisbeispiel erhält. Mit dem Unterschied, dass man diese Preise nur mit dem „Online-Vorteil“ erhält und die Flatrate gleich drei Monate läuft (sollte man sie einmal nicht brauchen, kann man sie dann nicht ohne weiteres für einen Monat aussetzen).

Ein Blick zum Mobilfunkanbieter-Nachbarn lohnt also nur bedingt. Alle kochen ihr Milchmädchensüppchen und es scheint sich am Markt auch nichts zu tun, was darauf schließen lässt, dass es günstiger werden wird. Ein Vorteil für den Abschluss eines Vertrages bei TM Deutschland ist jedoch, dass man nach 24 Monaten spätestens ein neues iPhone bekommt. Ist das Handy aus Italien hinüber, kann man entweder wieder zum Händler im Ausland fahren (fährt der Urlaubs-Hamburger einfach so gen Italien?!) oder sich ein neues erstehen.

Natürlich sind diese Rechenbeispiele nicht für alle gleichermaßen geeignet. Es soll ja auch noch geschäftliche Poweruser geben, die ohnehin nicht aufs Geld schauen müssen. Denen empfehle ich uneingeschränkt (ohne Test, aber der Einfachheit halber) den Complete L-Tarif bei T-Mobile. Der kostet nur 120,- Euro pro Monat, aber da ist wirklich alles mit drin (es sei denn, man kommt mit 3.000 FreiSMS pro Monat NICHT aus!). Das iPhone gibt’s dann zwar für einen Euro, aber bei 24 Monaten Laufzeit sind es immerhin 2880,- Euro. Ich für meinen Teil muss zugeben, dass das iPhone schon einen gewissen Reiz auf mich ausübt. Aber mal ehrlich, für 2880 Euro fahre ich dann doch lieber in Urlaub. Und das ganz ohne Internet.

2 Kommentare

  1. Peterle 11. März 2010
  2. Krumpus 10. März 2010

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