Schuss vorm Bug zur rechten Zeit

Toll, was für eine Fußballwoche: Cacau schießt ein Tor nach dem anderen, kämpft sich zu einem 1:1 gegen Barcelona, dann kommen alle Deutschen Mannschaften in der Euro League weiter und Jogi Löw macht den Fehler nicht, den er vor der letzten Weltmeisterschaft machte: er legt sich auf seinen Stammtorhüter René Adler von Leverkusen fest. Da kommen die Argentinier als Sparringspartner gerade recht. Gut, da spielt ein gewisser Lionel Messi mit, aber den kann man irgendwie schon doppeln.

Etwas leer war auch der Auftritt der Nationalelf gegen die Argentinier

Und das Fußballherz darf erneut jubeln, nachdem die Aufstellung bekannt wurde: der gefestigte Bastian Schweinsteiger spielt mit Michael Ballack auf der sechs, Shootingstar Thomas Müller im Mittelfeld. Weniger lustig die Entscheidung, dass Miroslav Klose die einzige Sturmspitze bildet. Seit geraumer Zeit kommt er nicht bei Bayern München zum Einsatz und hat in dieser Bundesligasaison überhaupt erst ein Tor geschossen. Warum nicht gleich Cacau bringen?

Hinten liegt schon qua Aufstellung einiges im Argen. Neben den gesetzten Per Mertesacker und Philipp Lahm spielt Serdar Tasci in der Innenverteidigung und Jerome Boateng außen. Letzteres war verletzt und spielte nicht regelmäßig, Ersterer spielt schon länger unauffällig, aber keineswegs bärenstark. Die Frage nach Mats Hummels wäre sicherlich gestellt worden, wenn der wegen eines Kieferbruchs ohnehin nicht hätte teilnehmen können. Ein ums andere Mal sieht die Hintermannschaft arg schlecht aus, beim Gegentor sehen ein stürmischer Adler ebenso schlecht aus, wie ein langsamer Mertesacker. Ballack lenkt das Spiel im Mittelfeld nicht, Mesut Özil setzt kaum Akzente, Müller spielt solide, Poldi, seit Wochen außer Form darf ebenso ran wie Klose. Die einzige Gemeinsamkeit: bei beiden geht überhaupt gar nichts zusammen.

Vorne wird es auch in der Zweiten Hälfte mit Mario Gomez nicht besser, erst als Cacau Mitte der 60. Minute kommt, wird es etwas besser. Prompt hat der auch den ersten Torschuss. Lustig wird es eigentlich gar nicht mehr. Die Argentinier sind den harmlosen Deutschen Kickern in allen Belangen überlegen; Technik, Ballsicherheit, Präsenz. Man darf wirklich gespannt sein, wie die sich mit Diego Maradona bei der WM schlagen.

Am Ende flüchten sich dann alle Beteiligten in den berühmten Fußballersprech: „Ich war einen Tick zu spät“ oder „das Herauslaufen ist eigentlich eine meiner Stärken“ (Adler) oder „wir müssen weiterhin am Offensivspiel arbeiten“ (Mertesacker) oder „das heute war kein gutes Spiel“ (Löw). Man kann die Reihe fast beliebig fortsetzen. Es ist schon lustig, dass man sogar bei diesem 0:1 an das 4:1 damals gegen Italien erinnert wird (weil man weiß, wie gut die Deutschen doch mit ihren Rumpelfüßlern sich zum dritten Platz erzitterten – sie waren wirklich über dem eigentlichen Soll). Und natürlich stimmt es: verloren ist noch überhaupt gar nichts. Richtige Lichtblicke sucht man auf dem Münchner Rasen allerdings vergeblich. Toni Kroos und der flexibel einsetzbare Müller könnten welche werden, sicher ist aber auch: die Spieler müssen sich noch finden. Wie sehr ein Simon Rolfes vermisst wird, merkt man an solchen Tests sehr deutlich. Aber auch, dass man statt Tasci einen Hummels und für Boateng einen Badstuber hätte bringen können. Früher hieß es mal, dass nur nach Leistung aufgestellt werden würde. Heute wird man scheinbar aber mehr nach Meriten aufgestellt. Das gilt zumindest für Klose und Podolski, wie aber wird der Bundestrainer den Einsatz dieser Verteidiger rechtfertigen? Richtig, gar nicht. Muss er auch nicht. Es war doch nur ein Test. Und 100 Tage sind noch so lang, um die eine oder andere wichtige Weiche zu stellen.

2 Kommentare

  1. Lästermaul 4. März 2010
  2. admin 4. März 2010

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