Eine gelbe Hassliebe?!

… oder überwiegt doch die Abneigung?

Wer Briefe und Pakete bekommt, der kennt die netten Damen und Herren in Blaugelb manchmal sogar schon beim Vornamen. Wann genau sie mit den kleinen Briefen und Sendungen an der Klingel oder vor dem Briefkasten stehen, kann man nie sagen. Aber wenn man von der Arbeit nach Hause kommt, dann waren sie meistens schon da. Man erkennt eine gewisse Konstante im Laufe eines Briefbekommerleben.
Wer aber jetzt nicht nur Post bekommen will, sondern selbige auch versenden, der hat zwar eine handvoll mehr Möglichkeiten bei der Wahl des entsprechenden Anbieters (es gibt da die mit Mika Häkkinen in der Werbung oder auch die unterbezahlten Briefausträger in grün oder blau), landet aber häufig bei der guten alten Deutschen Post.

Ich möchte keine Sendung sein

Man schnürt also sein Paket, klebt den Adressaufkleber auf und geht zur nächsten Filiale. Ich habe da großes Glück (noch), meine liegt direkt schräg gegenüber meiner Wohnung und es ist eine richtige Filiale, keine Zweittheke in der Metzgerei. Und sie ist verdammt groß. So groß, dass die Innenarchitekten gleich zehn Schalter hingebaut haben. Ein geübter Postgänger merkt schon hier, dass die Planer sicherlich mit der Post noch nie zuvor richtig Kontakt gehabt hatten.

Die Schalterhalle ist modern und auch recht groß. Und trotz der zehn Schalter wundern sich unbedarfte Paketüberbringer immer wieder, dass die Schlange fast bis zur Eingangstüre geht. Das sind stolze 15 bis 20 Meter! An Weihnachten reichte sogar die Halle nicht mehr aus und man durfte sich schon am Gehsteig in die Horde der Paketabgeber einreihen. Man steht also in der Schlange und langweilt sich ein wenig. Man guckt und beobachtet die Leute. Offenbar machen das auch die Postangestellten. Ganz gerne nämlich, wenn man zwischen 9 und 10 Uhr morgens bei den Damen und Herren in den schicken gelb-blauen Anzügen vorbeischaut. Dann sind von den zehn Schaltern maximal drei besetzt und ein Kollege wurstelt am vierten herum, weist auf Nachfrage aber lediglich etwas genervt auf das „Schalter-geschlossen“-Schild vor ihm. Das mit Abstand Enervierendste jedoch ist, dass die Post gerade nicht unter einer Unterbesetzung leidet. Im Gegenteil: Im Hintergrund huschen dann die Angestellten mit Kaffeetasse in der Hand herum, halten ein Schwätzchen ab und schlurfen gemütlich von einem Büro zum nächsten. „Ach, Du hast auch gerade Pause?“ Wer heutzutage in die großen Postfiliale dieser Republik geht – und ich darf das getrost sagen, weil ich schon Dutzende in dieser Republik erleben durfte, nein musste und überall, aber auch wirklich überall es exakt das Gleiche ist -, braucht neben dem obligatorischen Portogeld vor allem eins: einen Haufen Zeit.

Hat man es dann endlich an die Front geschafft und auch den letzten Rentner überlebt – die kommen ja gerne zur Post, weil die ja auch Bank macht, es schön warm ist und man toll mit den Bediensteten im feinen Zwirn plaudern kann -, geht es überraschend schnell. Vorausgesetzt man weiß, was man will (bei der Post ist das ja nicht ganz so schwer). Paket rauf, bezahlen, raus. Das war’s. Wer dieser Tage Glück hat, schafft es unter 20 Minuten. Wer Pech hat, je nach Rentnerdichte, braucht halt ein wenig länger.

Ich bin jedoch inzwischen der Meinung, dass die Post den Paketversender erziehen will. Und zwar nur zu seinem eigenen Wohle. Die Post bietet unlängst einen Online-Frankierservice an, der dann bei Paketen sogar um einen ganzen Euro billiger zu Buche schlägt. Beim Päckchen sind es immerhin noch 20 Cent. Briefmarken kann man sich auch auf dem heimischen Drucker ausspucken lassen, sogar mit einem „lustigen“ Fußball-Motiv. Philatelist sollte man daher besser nicht sein. Praktisch ist das Selbstausdrucken vor allem für Pakete. Man muss das Stückchen Papier dann zwar selber aufkleben, aber das geht gut. Anschließend gibt man das Ding ab.

Unbedarfte Selbstausdrucker (keine Bange, ich war auch mal einer), haben dann zwar einen Euro nicht aber an der langen Schlange gespart. Die hat zwar dann eine Berechtigung, wenn man die Trackingnummer sofort im System haben will. Der Postbeamte scannt nämlich den ausgedruckten Barcode sofort ein, das Paket kann online umgehend gefunden werden und man bekommt auch gleich einen Beleg. Wer der Post aber vertraut, und ich tue das – zwar nicht uneingeschränkt, aber in dem Maße, in dem es mir selber nützlich erscheint -, der geht so elegant es nur geht an der Schlange vorbei und legt seine Sendung einfach in die dafür vorgesehenen gelben Kisten. Die werden immer dann abgeholt, wenn sie voll sind und das dauert nun wirklich nicht die Welt. Eifrige Versender können also auch binnen weniger Stunden online verfolgen, wo sich ihr Paket befindet. Die Trackingnummer haben sie ja schon beim Ausdruck als Beleg bekommen.

Man glaubt gar nicht, welch erhebendes Gefühl einen beschleicht, wenn man nach nur 30 Sekunden raus aus der Postfiliale ist. Wahrscheinlich sind es immer die kaffeetrinkenden Beamten hinter der Theke, die eben jene Kisten ausleeren müssen und das freut mich gleich noch viel mehr (und sollten sie es nicht sein, dann lasst mir bitte diese hübsche Illusion).
Ich wäre aber auch nur halbunbedarft, wenn nicht auch die Möglichkeit der Packstation in Betracht ziehen würde. Die scheidet aber schnell aus, wenn man das Teil selbst einmal ausprobiert hat. Zum Abholen mag es ja noch gehen (vorausgesetzt, man bekommt sein Paket auch aus dem Scheißding raus), aber zum Aufgehen braucht man definitiv mehr als 30 Sekunden in dem Laden. Deshalb lass ich das. Es mag vielleicht schneller gehen als zehn Minuten, aber hey, in der Zeit hätte ich ja schon 20 weitere Pakete von der Tür bis zu den Kisten gebracht.

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