Ein Königreich für eine Rabattmarke

… oder: von Kundenbindung und Ködern im Internetzeitalter

Nun ja, Kundenbindungsmethoden sind ja mindestens schon so alt, wie es die (freie) Marktwirtschaft gibt. Alt ist zudem, dass Unternehmen mit aller Macht versuchen, ihre Kunden bei der Stange zu halten, damit – insbesondere in wirtschaftlich schlechteren Zeiten – ein solider Grundumsatz gewährleistet werden kann. Neu jedoch ist, wie sie das in Zeiten der virtuellen Vertriebskanäle versuchen. Der Mario-Markt etwa ist ein Paradebeispiel dafür, wie man die klamme, aber dennoch kaufwütige, Masse mobilisiert. Erst mal gibt’s eine Woche lang eine zehnprozentige Chance auf einen komplett kostenfreien Einkauf, dann gibt’s Einkaufsgutscheine zwischen 50 und 200 Euro (je nachdem wie viel Geld man im Markt lässt) und aktuell darf der Kunde für Null Prozent mobile Rechner finanzieren. Die nächsten Aktionen stehen sicher ebenfalls schon ins Haus.

Nur noch kaufen, wo man vermeintlich sparen kann

Das Geschäft mit den Bonuszahlungen, Rabattaktionen und Gutscheinen floriert – und scheint bei den Leuten zu wirken. Von Autoteilen über Fotobüchern bis hin zur Mobilfunk-Prepaid-Karte (und noch viel mehr) findet man unter einem Dach beim Portal Tom’s Gutscheine. Sparfüchse können sich dort bequem ihren virtuellen Gutschein für verschiedenste Bereiche abholen und einlösen. Das freut den Schnäppchenjäger außerordentlich.

Aber auch Portal und Unternehmen profitieren von dieser Partnerschaft. Finanziert wird das Ganze selbstverständlich über Werbung der Unternehmen, die sich neue Kundschaft erhoffen (und das Portal bekommt dafür natürlich einen Obolus abgezweigt). Wer schon genau weiß, was und bei wem er einkaufen möchte, der könnte tatsächlich mit diesen Gutscheinen ein paar Euro sparen. Wer jedoch nur ein wenig Stöbern will, der braucht in jedem Falle Zeit. Insbesondere dann, wenn einem die Markenshops nichts sagen. Eine Kategorisierung fehlt dem Portal nämlich und schon allein das Dropdown-Menü mit der Shop-Auswahl ist unendlich lang und – auch wenn es alphabetisch sortiert ist – äußerst unübersichtlich.

Neukunden scheinen dieser Zeit in jedem Falle richtig gute Karten zu haben. Auch Telefon-, Strom- oder Gaskosten sind so ein beliebtes Beispiel. Wechselt man den Strom- oder Gasanbieter gewähren viele Unternehmen eine Bonuszahlung zwischen 50 und 100 Euro. Meistens erhält man diese zwar erst dann, wenn man dort mindestens 12 Monate auch Strom oder Gas bezogen hat. Manchmal aber schon allein für’s Wechseln. Personen, die ohnehin nicht vorhaben, umzuziehen, können so Jahr für Jahr die Rechnung um 50 bis 100 Euro drückn (oder anschließend konstant halten). Ähnlich sieht es bei den Telefonanbietern aus, die ebenfalls Bonuszahlungen, Endgeräte und andere Zuckerl anbieten. Doch leider gibt es zwei einfache Haken an der Sache. Zum einen ist der Markt so unübersichtlich: Man muss die Angebote ständig vergleichen und insbesondere ein wachsames Auge auf die unterschiedlichen Vertragsbedingungen haben. Zum anderen – und das wiegt viel schwerer – ist es die natürliche Trägheit des Menschen, der sich intuitiv gegen den Papierkram-Mehraufwand stemmt. Ersteres kann man mit Vergleichungs-Portalen wie Verivox einigermaßen hinbekommen. Gegen Letzteres hilft nur viel Energie und ein guter Terminplaner. Denn abgeschlossene Verträge müssen schließlich alle Jahre wieder gekündigt werden, um in den Genuss weiterer Bonizahlungen des anderen Anbieters zu kommen. Da fühlt man sich doch glatt wie ein Banker. Naja, fast.

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