Alle haben recht, ein Makel aber bleibt

Eine Tatsachenentscheidung ist eine Tatsachenentscheidung ist eine Tatsachenentscheidung.

Das weiß man nicht erst seit dem WM-Qualifikationsrückspiel zwischen Frankreich und Irland, das auf so unwürdige Weise gut für die Franzosen ausging. Die 103. Minute war’s, als ein Freistoß in den Strafraum segelte (zwei Franzosen standen im Abseits, das blieb allerdings ohne Folgen) und der sympathische Thierry Henry den Ball gleich zwei Mal mit der Hand spielte, ehe er ihn vor das Tor bugsierte. Dort stand Gallas richtig und nickte ein. Die irischen Proteste blieben unerhört. Bis heute. Dabei waren die wirklich laut gewesen.

Henry als Handballer | ©TF1

Was aber stimmt einen Fußballbegeisterten bei dieser Szene wirklich traurig?! Zu aller erst ist es natürlich die Unfähigkeit der Schiedsrichter, ein klares Handspiel nicht zu ahnden. Noch dazu in einem derart wichtigen Spiel, kann man erwarten, dass die fähigsten Schiedsrichter entsandt werden. Irren oder etwas nicht sehen, ist hingegen zutiefst menschlich und gehört, auch in einer solchen Szene, zweifelsfrei zu diesem Sport dazu. Das ist auch ein Teil des Reizes, den der Fußball für den Zuschauer ausübt. Dann ärgert man sich, weil die Franzosen einen Angsthasenfußball par excellence gespielt haben, der einer WM-Endrunde schlichtweg unwürdig ist. Ein Glückstor und ein Irreguläres sollten nicht reichen dürfen. Allein, sie tun es. Faktisch ist das sogar irgendwie in Ordnung. Und es ist auch in Ordnung, wenn ein Thierry Henry, einer der besten Stürmer in Europa, wenngleich er nach seinem Wechsel von Arsenal zu Barcelona eine ziemlich lange Schwächephase durchmacht, nicht gleich Aufzeigt, dass er den Ball tatsächlich wie ein Basketballer eben mit der Hand geführt hat.

Unverständnis macht sich aber breit, wenn ein Schiedsrichter einem, nun ja, sagen wir „fairen Sportsmann“ nicht mal bei Henry nachfragt, was los gewesen ist. Zwar hätte der dann auch nichts dazu sagen können, weil er damit seinem Land nur einen Bärendienst in Form eines Elfmeterschießens erwiesen hätte, aber man hätte es probieren müssen. Was den neutralen Zuschauer auf die Palme bringt, ist die Freude, die Henry nach der Aktion an den Tag legte. Nicht einmal Maradona hatte sich bei seinem Handtor gegen England so gefreut. Das ist despektierlich und nicht in Ordnung. Da nutzt es auch nichts, dass er nach dem Spiel freimütig zugab, den Ball mit der Hand gespielt zu haben. Er sei ja kein Schiedsrichter. Die Krone jedoch setzt er zwei Tage später darauf: „Das Fairste wäre sicherlich ein Wiederholungsspiel. Das aber liegt nicht in meiner Macht“. Hätte der Stürmer nicht einfach mal die Klappe halten können? Das grenzt nicht nur an Heuchlerei, sondern es ist eine. Und zwar eine große. Geheuchelt ist die Absage an ein Wiederholungsspiel auch von der FIFA. Aber, und da sind sich viele Funktionäre um den hoffentlich bald abtretenden Sepp Blatter einig, man sieht die Franzosen lieber bei der WM als die Iren. Das bereitet leider weiteren Nährboden für Spekulationen zur Auswahl von Schiedsrichtern in Playoff-Spielen.

Wie dem auch sei, man kann wirklich nur hoffen, dass die Franzosen, ähnlich wie bei der letzten WM, schnell aus dem Turnier ausscheiden. Bitte dann auch mit Otto Rehagels Griechen, die ebenfalls keinen konstruktiven Fußball spielen. Bei all dem vielen Geld, das eine Fußball Weltmeisterschaft umsetzt, und bei all den obskuren Kanälen, wo es anschließend verschwindet: es geht schließlich um das schöne Spiel.



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Ein Kommentar

  1. Rainer 22. November 2009

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