Der doppelte Lehman(n)…

… oder: erklär mir einer die Wirtschaft – Teil II

Jetzt ist er wieder da, der pöbelnde Lehmann aus dem Stuttgarter Tor. Natürlich ganz kalkuliert vor dem letzten Bundesliga Spieltag. Alles kann passieren. Die Bayern können noch Meister werden, aber auch zweiter bleiben. Oder eben dritter oder vierter. Sollte letzteres der Fall sein, dann wird sich Neutrainer Louis van Gaal sprichwörtlich in den Allerwertesten beißen müssen. Denn wenn der FC Bayern nicht einmal die Qualifikation für die monetär ach so wichtige Champions League schafft, dann könnte nebst Trainerumbruch auch noch ein Kaderumbruch erfolgen.

Der böse Lehmann

Aber zurück zu Lehmann. Ein charismatischer Torwart, der angeblich zu Hause so nett sein soll. Auf dem Platz und allem, was daneben auch zu Fußball gehört, zeigt er das nie. Er hat anständig gehalten, aber in die Nationalelf darf er nimmer. Wäre auch schwachsinnig, einen alternden Motzkopf noch einmal zu berufen. Zumal seine Leistungen keinesfalls grandios waren, sondern äußerst durchschnittlich. Das war er immer schon, aber er hatte – insbesondere seit Klinsmann auch mal beim DfB beschäftigt war – dort viele Fürsprecher. Jetzt also stänkert er ganz unmanierlich gegen die Bayern. Das ist nicht schön, aber gehört wohl zum Geschäft. Wenn Stuttgart dann nach einer Niederlage vierter werden wird, dann gönn ich das einzig dem Jens L., der hoffentlich dann auch mal Verantwortung übernehmen wird und seine Handschuhe an den Nagel hängt. Somit kann er weder seinem jetzigen Arbeitgeber, noch dem Fußballfan auf den Keks gehen.

Die bösen Lehmans

Auf der anderen Seite gibt’s aber den ebenso gierigen, wie unglücklich agierenden Lehman. Oder besser: die Lehman. Nämlich die Brüder. Irgendwie sind sie das ja auch im Geiste. Laut einem Medienbericht (Klick) gibt es jetzt für Anleger, die über die Citibank mit den Lehman-Papieren etliches Geld in den Sand gesetzt haben, eine Möglichkeit für ein Ausgleichsangebot. Das geht aber nur, wenn man dem Bankberater nachweisen kann, dass er jemanden falsch beraten hat. Im Nachhinein ist man bekanntlich immer schlauer und man kann getrost annehmen, dass die alle „falsch“ beraten haben.

Doch die Frage muss erlaubt sein: wie blöd muss ein Anleger sein, um Geld in Wertpapiere anzulegen, um dann auch noch zu glauben, dass man in jedem Falle Gewinn macht? Es geht hier um börsennotierte Unternehmen, die Gewinn machen müssen. Richtig, die müssen Gewinn machen, sonst geht mein Einsatz flöten. Aber wie kommt man darauf, dass man immer „gewinnen“ muss. Wenn jeder immer nur gewänne, dann wäre unsere Welt schon längst im Arsch. Denn wenn es keinen gibt, den man wirtschaftlich ausbeuten und ausbluten kann, dann würde unsere westliche Marktwirtschaft doch schon längst nicht mehr funktionieren. Jetzt haben aber jene westlichen Gier-Anleger viel Geld verloren. Na und? Der nächste geht ins Casino, setzt ganz defensiv auf schwarz, rot gewinnt und der Einsatz ist weg. Geht man dann auch zum Casino-Chef und sagt dem, man möge doch bitte ein die Hälfte es Einsatzes wieder herausbezahlen, man sei schließlich beim Betreten des Casinos nicht (oder falsch) beraten worden, dass man auch Geld verlieren könne?

Lustigerweise haben viele die Lehman-Papiere gekauft, um für das Alter vorzusorgen. Okay, das ist Pech. Aber wer im weitesten Sinne am Aktienmarkt tätig ist, der sollte doch bitteschön so viel Hirn besitzen, dass man durchaus auch verlieren kann. Und man kann sogar dann verlieren, wenn der Staat jetzt wirklich ein paar neue Regularien installiert, die der reinen Casino-Mentalität entgegen stehen. Wenn auch nur ein bisschen. Das Ende vom Lied ist aber ein altbekanntes. Gierige Anleger klagen, um wenigstens ein bisschen ihre Verluste zu minimieren. Doch nur der kann anlegen, der auch die entsprechende Kohle hat. Das klingt wieder ganz schön moralisch, wie mir scheint. Und von der Moral wollen wir doch wirklich nichts wissen; insbesondere wenn es um Anlagestrategien geht. Lernen tun wir ohnehin nichts aus der Krise.

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