Plastikessen

Die gute Nachricht zuerst: nein, ich war nicht bei Lidl. Die schlechte: ich war faul und bin zu den Gebrüdern Albrecht. An sich nicht weiter schlimm, aber erstens bin ich um halb sieben rein (man kann nicht sagen, dass zu dieser Zeit wenig los wäre – na ja, eigentlich ist es nur um halb elf Vormittags einigermaßen erträglich) und zweitens wusste ich genau, was ich brauche. Das wiederum wäre ebenso wenig schlimm, aber offensichtlich bin ich regelmäßig der einzige, der schnell rein und ebenso schnell auch wieder raus möchte. Anders kann ich es mir gar nicht erklären, dass grundsätzlich jemand genau vor dem Regal und Warengruppe steht, die ich gerade brauche.

Frische durch Plastik?

Erlesener Geschmack sieht aber auch anders aus: Fleisch von der medizin-vermästeten Pute von nebenan, Käse, Naturjoghurt, Maultaschen, Tomaten, Salat und beim Rausgehen noch passierte Tomaten (die kann man bekanntlich immer brauchen). Okay, ich gebe zu, dass ich auch noch ein Viertelauge auf die aktuellen Angebote geworden habe.Aber außer einer Gästematratze, die wir wirklich nicht benötigen, hab ich rein gar nichts Interessantes finden können. Für diesen Akt des Lebensmittelerwerbs habe ich knapp 20 Minuten gebraucht. Erst ließ mich eine Dame nicht zum Putenfleisch, bei den Maultaschen wurde ich dann angemault, weil ich einer penetrant unfreundlichen Dame eben nicht geholfen habe, ihren Putenaufstrich zu suchen (ich finde den selber nie und hoffe inständig, dass sie ihn nach laaaaangem Suchen auch nicht gefunden hat), dann durfte ich nicht an die Tomaten. Zu guter Letzt waren auch nur zwei Kassen auf und ich habe allmählich das Gefühl, dass bei Aldi grundsätzlich zu Stoßzeiten nur Lehrlinge kassieren dürfen.

Das Anstehen macht aber auch Spaß. Irgendwie. Man guckt interessiert, was die anderen so im Einkaufskorb haben. Hinter mir zwei pubertierende Mädels, die sich Zigaretten und einen Billigfusel genehmigten, vor mir, eine ältere Dame mit lila Haaren und starken Oberlippenbart, die sich schrecklich altmodische Pralinen gönnte. Bei weitem Schlimmer war aber die Dame Ende 40 direkt an der Kasse. Erst mal, hatte sie so Jutebeutel mit dabei, um ihr Zeugs zu verstauen. Allein, sie verstaute erst mal gar nichts. Wer öfter bei Onkel Aldi einkauft, weiß, dass die an der Kasse überhaupt gar keine Möglichkeit haben, die an der Kasse durchgezogene Ware mal gemütlich irgendwo hinzupacken. Entweder sie kommt sofort in die eigene Tasche oder in den Einkaufswagen. Warum die eine solche Schnell-schnell-Politik haben, erschließt sich mir noch immer nicht, aber wie sagt der Franke so gern: „Es ist halt so“.

Nun gut, jene Dame wollte aber gar nicht schnell wieder raus (im Gegensatz zu mir), sondern kramte erst mal in aller Seelenruhe in ihrem Geldbeutel, um nach gefühlten drei Minuten fuffzig, dann doch mit Karte bezahlen zu wollen. Erst dann machte sie Anstalten, ihr Zeugs in die Beutel zu packen. Schwupp, einer fiel doch tatsächlich auf den Boden und der Prosecco ergoss sich auf Boden. Naja, nachdem die Putzkolonne da war, die Pralinenschachtel bezahlt hatte, konnte auch ich meine frischen Plastiklebensmittel mein eigen nennen und frage mich seither, warum überall „frisch“ draufsteht. Wie kann denn irgendwas frisch sein, wenn es in dicker Plastikverpackung beinahe die nächsten hundert Jahre überstehen würde?! Wirklich alles, was ich gekauft habe, war dick und fett eingepackt. Geht’s eigentlich noch? Du kaufst für zehn Euro ein und musst anschließend sofort wieder den Müll rausbringen, weil der voll Plastik ist? There is something rotten in the State of Denmark! Aber ganz gewaltig. Das wirklich Schlimme indes: es kümmert niemanden. Ist aber auch kein Wunder: so lange die Discounter munter Billigware verramschen und Leute wie ich da auch hingehen, machen die ihren Schnitt, ich partiell den meinen und nehme gleich noch ein schlechtes Gewissen mit ins Bett. Aber Onkel Albrecht wird auch das verschmerzen können.

Ein Kommentar

  1. Bärbel 24. März 2009

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