Die Luft reicht gerade mal für 30 Minuten?!

Nichts ist mehr wie früher. Damals, in guten alten Zeiten, da versuchten sich die Journalisten gerne im gegenseitigen Phrasendreschen. Wenn sie mit dem Rücken zur Wand stehen, dann sind sie auf einmal wieder da. Hellwach, topfit und bis unter die Haarspitzen motiviert. Oder auch: die werden das Dusel wieder strapazieren, aber es wird ihnen schon hold sein. Tja, die Rede ist, wer hätte es gedacht, vom FC Bayern München.

Jetzt mussten sie 90 Minuten spielen (statt den regelmäßigen 30 im Training) und man könnte zum Schluss kommen, dass mit Gummibändern alleine keine Fitness erzeugt werden kann (oder mit einem Heer an Trainern). Stolze 60 Minuten übertrafen sich die Bayernspieler in gegenseitigen Nachlässigkeiten und der gemeine Zuschauer musste sich höchstens wundern, das es zu diesem Zeitpunkt lediglich  3:0 für Leverkusen steht. Immerhin hatte ein Bayer-Spieler ein wenig Mitleid. Nationalkeeper René Adler heftete sich dann noch das Bayern „n“ hinten dran.

Der muss ins Tor. Das geht aber nur, wenn man viel läuft - ©SXC

Er unterlief mal wieder eine Flanke und Lucio stand goldrichtig. Keine zwei Minuten durfte dann Klose frei einköpfen und wie aus dem Nichts war doch noch eine Viertelstunde Pokalspiel zu sehen. Unvermutet waren die Bayern aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht, aber, und das freut einen Fußballfan dann doch, es reichte nicht mehr. Am Ende stand es 4:2 und Leverkusen ist somit vollkommen verdient im Halbfinale des DFB-Pokals.

Jetzt darf man sehr gespannt sein, was in München auf die Spieler, das Trainerteam und dem ganzen Verein hereinbrechen wird. Vor allem die Art und weise, wie man gegen junge, aggressive Leverkusener verlor, dürften viele der Verantwortlichen ganz und gar nicht gefallen haben. Natürlich werden jetzt sämtliche Antrittsreden von Hoeneß und Klinsmann hervorgeholt – man erinnere sich an „Jeden Tag jeden Spieler einen Tick besser machen“. Bislang wurde gar überhaupt niemand besser. Einzig Rensing zeigte eine solide Leistung und der Alt-Neu-Kölner Podolski erfrischte den Sturm. Mit Abstrichen auch Klose. Der Rest: war eigentlich nicht auf dem Platz. Zur Ehrenrettung darf man aber auch hinweisen, dass die Bayer-Elf konzentriert und aggressiv zu Werke ging. Allen voran Renato Augusto, die traditionell emsigen Kadlec und Rolfes, der famose Lukas Sinkewitz (meist gegen Ribéry) und vorne die cleveren Kießling und Helmes. Das einzige, was man diesem Team vorwerfen kann, ist, dass sie nach Adlers Anschlusstreffer in ein kollektives Weichkniedasein verfielen. Am Ende sollte es dennoch reichen. Das erste mal ein Sieg gegen den FCB im DFB-Pokal. Ein ganz neues Gefühl.

Eins, ja eins blieb aber dann doch noch gleich: die Interviews mit Trainer JK. „Die Mannschaft ist natürlich enttäuscht“, oder „Wir wollten unbedingt ins Halbfinale, das ist uns nicht geglückt“. Aber auch: „Wir besinnen uns einen Moment und müssen uns auf die Bundesliga konzentrieren und auf die Champions League“, und: „Es bringt gar nichts, auf die Jungs einzuhauen“, aber auch: „Nach vorne schauen, das verarbeiten, in Ruhe weiterarbeiten und dann wieder angreifen“. Gut, eins war dann doch anders: die Phrasen bleiben zwar gleich, aber ansonsten lacht der JK immer dazu. Diesmal blieb er doch recht ernst.

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Außerdem spielten:

Mainz gegen Schalke: 1:0 – Die Luft für Fred Rutten und Manager Andreas Müller wird wohl dünner. Vielleicht ist das der Grund (also die ohnehin schon arg dünne Luft auf Schalke), dass die Mannschaft mit lauter Einzelkönnern so schnell die Puste ausgeht. Ich finde diese Krise lustig.

Wolfsburg gegen Bremen: 2:5 – Nein, kein Mitleid für die Wölfe. Aber auch keins für Bremen. Die haben mal wieder gezeigt, was sie können, wenn es mal drauf ankommt. Die Frage bleibt: was kommt am Wochenende und: spielt Diego auch die kommende Saison im grünen Trikot?

HSV – Wehen: 2:1 – Man hätte es den Wehenern gegönnt, dass sie weiterkommen. Hat nicht sollen sein. Wobei ich den HSV in dieser Saison irgendwie mag (vom Torhüter Rost mal abgesehen, aber ich glaube, das schreit geradezu mal die Erstliga-Clubs nach Sympathien zu analysieren). Trainer Martin Jol hat die Truppe im Griff und die spielen auch in der Liga vorne mit. Chapeau!

Ein Kommentar

  1. Wonderland 9. März 2009

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