Welcome to Mali

Ach, wie ist das schön in einer im höchsten Maße globalisierten Welt – insbesondere was Musik anbelangt. Seit es das Internet gibt (Youtube oder LastFM lassen grüßen) ist es noch viel einfacher geworden, Musik kennenzulernen, die man für gewöhnlich nie hätte kennenlernen können. Schon der Distanz wegen. So kommt es, dass die blinde Mariam und ihr blinder Mann Amadou auf der Bühne der Muffathalle stehen und den Zuhörern einen wunderbaren Abend bescheren. Verständlicherweise weniger, was die Show anbelangt, als vielmehr durch ihre mit afrikanischen Rhythmen durchzogenen musikalische Weltreise, die sämtlichen Anwesenden durch die Glieder zuckte. Wer im Schneetreiben draußen ausgeharrt und sich nach und nach das wild durchgemischte Publikum angeschaut hätte, wäre wohl nie auf die Idee gekommen, dass hier zwei afrikanische Musiker auf der Bühne stehen könnten. Eher ein 60. Familiengeburtstag. Ein paar hysterisch alternde alternativ Pärchen (’68er), junge Pseudo-Alternative Mädels, die sich in sariähnliche Gewänder gewickelt hatten und sich auch die Achselhaare nicht mehr rasieren – ein bisschen Rebellion muss schließlich sein – und dazwischen Normalos, die sich wohl in der Veranstaltung verirrt hatten. Wobei „Amadou & Mariam“ nicht unbedingt nach einer Flatrate-Saufveranstaltung klingt…

Alles in allem, aber tat das der Stimmung keinen Abbruch. Im Gegenteil, niemand konnte sich der Musik aus Mali entziehen und auch wenn man textlich so gut wie nichts verstand – gut, das „Follow-Liebes-Lied“ war eindeutig, aber die Meisten Lieder waren in ihrer ethnischen Sprache (oder auf französisch) – war es ein musikalisches Spektakel, das sogar die Hemdträger zum Wippen brachte. Einziger Wehrmutstropfen: die Lichtshow war mau und auch die Toningenieure hatten wohl vorher zu viel geraucht, denn das Konzert war ziemlich schlecht ausgesteuert. Nun ja, man kann nicht alles haben. Nett war’s trotzdem. Und das mitten in München.

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