Erklär mir doch einer die Wirtschaft?!

Irgendwer muss 2009 wohl dran glauben

Irgendwer muss 2009 wohl dran glauben

Okay, das mit den unmoralischen Bankern hatten wir schon. Immerhin können die auf gültige Verträge zurückgreifen und von uns wäre nicht froh, wenn der Arbeitsvertrag zum Ende des Jahres noch Millionenzahlungen beinhalten würde. Moral hin, Moral her. Non olet! Aber, was ist denn jetzt mit der Autoindustrie, die nach und nach in sämtlichen Teilen der Welt den politischen Canossa-Gang vollführt, um noch ein paar zusätzliche Finanzspritzen zu bekommen?! Wer entscheidet denn, welcher Industriezweig und welche Firma es denn wirklich wert ist, „gerettet“ zu werden? Oder zählt da lediglich, wie viele Mitarbeiter potentiell auf der Straße landen können? Das versteh‘ ich als Otto-Normal-Dummer leider ganz und gar nicht und bitte, nein fordere, den aufmerksamen Leser auf, mir da aus der Patsche zu helfen.

  • Warum übernimmt der Staat einen Teil der Sozialabgaben, wenn ein angeschlagener Automobilhersteller zwecks Sparmaßnahmen die Kurzarbeit ausruft?
    Wenn ich bspw. in Kurzarbeit gehe, dann bekomme ich zum Einen sehr viel weniger Geld und meine Sozialabgaben, die ich als Freiberufler selbst zu tragen habe, interessieren außer mir auch niemanden.
  • Warum wird der deutschen Automobillobby überhaupt unter die Arme gegriffen?
    Wenn ich mich recht erinnere, schüttet Krisen-Daimler auch brav noch ein paar Boni aus, obwohl sie gerade im letzten Quartal 2008 ein Rekordminus erwirtschaftet haben. Die Abwrackprämie, in deren Genuss 600.000 Neun-Jahre-Altwagen-Besitzer kommen können, dient vor allem kleinen Importschlagern – vorzugsweise aus Fernost. „Umweltprämie“ ist in diesem Zusammenhang überdies mehr als lachhaft, weil zig Abwrackautos noch brav über die Grenze nach Polen, Tschechien und Ungarn gefahren werden, um dort die Umwelt zusätzlich zu verpesten.
  • Die Kleinen hängt man, den Großen gibt man jedwede Unterstützung?
    Gut, nicht erst seit dem Fall Zumwinkel ist klar, dass die Betuchten dealen und der kleine Bankräuber flux ins Gefängnis wandert, auch wenn er viel weniger finanziellen Schaden angerichtet hat. Doch wie kommt es, dass Unternehmen, die ebenso klein angefangen haben, sich dann aber zunehmend den Marktgesetzen einer freien Wirtschaft gebeugt haben (und das auch noch ganz freiwillig), um endlich gewinnmaximiert zu wirtschaften? Und egal, ob da jetzt nur drei Handwerker arbeiten oder 30 000 am Fließband: Die wussten doch auch schon vorher, worauf sie sich einlassen, wenn sie bei diesem oder jenem Unternehmen anheuern. Lohnerhöhung will auch jeder und immer mehr, immer mehr. Der kleine Mann kann zwar nur bedingt eingreifen, was „die da oben“ verbrechen. Doch man heuert auch nicht auf einem Schiff an, wenn man weiß, dass man leicht seekrank wird…
  • Daimler sagt sinngemäß: Langfristig kann man mit kleinen Autos wie dem Smart keine Gewinne erwirtschaften, deshalb braucht es mindestens solide Mittelklassewagen.
    Genau, Deutschland braucht einfach mal wieder ein paar dicke Autos. Die werden ja aller Voraussicht nach auch noch steuerlich ein wenig vergünstigt, damit sie dann den CO2-Gehalt nachhaltiger gefährden können. Hallo?! Erst die hanebüchene Umweltprämie und jetzt sollen nur noch große Autos gebaut werden, weil die mehr Kohle bringen sollen? Herrjeh, landauf und landab schuften sich zig Kleinunternehmer den Arsch ab und sind froh, wenn sie zweistellige Tagessätze erzielen, und die Herren Automobil möchten lieber große Autos bauen. Wir haben eine Krise, herbeigeführt von Casino-Bankern, die auf Luft gesetzt haben und es kann wirklich jeden treffen in diesem oder in den nächsten Jahren. Mit welcher Berechtigung werden kriselnde Großunternehmen, nur weil sie viele Mitarbeiter haben, mit geldwerten Vorteilen bedacht, alle anderen aber nicht?

Keine Kommentare

Kommentar schreiben