Der Fußball und die Polizei

Jetzt hat sich doch glatt wieder einmal die Polizeigewerkschaft zu Wort gemeldet. Und das auch noch in der Winterpause: unerhört! Finden zumindest die DFL, der DFB und sicherlich auch die Bundesliga-Clubs. Was erlauben die sich eigentlich…

Ja, was eigentlich?! Gestern tickerte es also über die Mediendienste, dass Robert Wendt, Chef der Polizeigewerkschaft, für seine Sicherheitseinsätze mehr Geld sehen will. Nachzulesen ist das z.B. in diesem Spiegel-Artikel. Neu ist das allerdings nicht, denn Wendt hatte sich ja letztes Jahr schon einmal darüber aufgeregt, dass die Polizei für die Sicherheit hochbezahlter Fußballerbeine herhalten muss wohingegen der Fanpöbel seine Aggression in 90 Minuten plus x auslassen kann.

Fußball sollte einfach mal öfter ausfallen

Nun ist es allerdings so, dass die Polizei von den Steuerzahlern gezahlt wird – auch von solchen, die gar keine Fußballfans sind. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn sicherlich haben die auch irgendwann einmal was zu tun, was wiederum die Stadiongänger nicht interessiert. In den Raum hat Wendt 50 Millionen Euro gestellt, die er gerne als Zuzahlung der DFL für die 975.000 Arbeitsstunden der Polizei im Jahr hätte. Wir rechnen also:

50.000.000 Euro / 975.000 Stunden = 51,3 Euro Stundenlohn

Das hört sich jetzt für einen kleinen Freiberufler schon mal ziemlich gut an, wenn der einen solchen Stundenlohn auch bekäme. Tränen treibt es ihm gar in die Augen, wenn er hört, dass die 975.000 Stunden im Jahr tatsächlich 100 Millionen Euro verschlingen. Also eine 100 und nochmal sechs „0“ dran! Wow! Interessanterweise werden die Polizisten ja aus der Staatskasse bezahlt und die wiederum zahlt ja jeder, der in Deutschland seine Steuern an den Fiskus (un)freiwillig abtritt.
Das Hauptargument von Herrn Wendt hat es in sich: die Fußballvereine seien schon lange keine gewöhnlichen Vereine (und in keinem Falle gemeinnützig) mehr, sondern wirtschaftliche Unternehmen, die auf Gewinnmaximierung abzielen. Und: er hat nicht unrecht. Warum soll der Steuerzahler für die Sicherheit von 60.000 „Fußballfans“ (manchen sagt man ja ein nicht unerhebliches Aggressionspotential nach) aufkommen, wenn auf dem Rasen Jungmillionäre vor sich hintraben und sich nach Abpfiff nur Gedanken machen, wie die Frisur nach dem Spiel wieder hinzukriegen ist? Eben, gar nicht! Er hätte ja auch kein Interesse daran.

Noch interessanter wird es allerdings, wenn sich die Vereine jetzt nach und nach unter den Schutzmantel eines finanzkräftigen Oligarchen begeben – und dies wird sicherlich in Krisenzeiten nicht seltener der Fall sein – warum um alles in der Welt, sollen ca. 40 Millionen Erwerbstätige Deutsche die Sicherheit in Stadien finanzieren, wo sie doch wirlich nichts, aber auch gar nichts dafür bekommen? Es ist nicht haltbar. Erschwerend kommt ja mit der TV-Vermarktung noch hinzu, dass der Fußball längst kein allgemeines Gut mehr ist. Die Sportschau soll zwar im Öffntlich-Rechtlichen bleiben, aber durch die Aufdröselung des Spieltages am Sonntag, kann der Fan erst nach 23 Uhr im Ersten die Zusammenfassung sehen. (Nachzulesen in diesem Spiegel-Artikel.) Das nenne ich wirklich kinderfreundlich. Da werden die Kleinen immer dicker, sollchen sich bewegen, aber ihre selbstgewählten Idole in Rosa-Schühchen können sie nicht mal mehr in der Konserve zu anständigen Zeiten sehen. Dafür fehlt mir dann doch ein wenig das Verständnis. Wenn mal eben 20 Millionen für Spielertransfers ausgegeben werden können, dann sollte es doch ein Leichtes sein, dass man einen Topf generiert, um alle Profi-Clubs am Spieltag ein sicheres Stadionerlebnis zu garantieren. Aber da das schließlich der üblichen Gewinnmaximierung widerstrebt, darf man darauf getrost noch länger warten. Vielleicht sollte doch einmal ein Spiel ausfallen…

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