Samstag Abend vor der Glotze…

Gruslige Samstag Abend Unterhaltung

Gruslige Samstag Abend Unterhaltung

Wem es Samstag Abend aus diversen Gründen nicht vergönnt ist, mit Freunden auszugehen, der hat beschäftigungstechnisch ein Problem. Die einfachste Lösung wäre ein gutes Buch zur Hand zu nehmen, aber meistens landet man dann doch vor dem heimischen Fernseher. Und hier fängt das Übel an. Einst war der Samstag Abend ein Inbegriff für gelungene Unterhaltung und ansprechende Filme – zu Zeiten ohne Privatfernsehen sogar noch ohne Werbeunterbrechung! Jetzt muss man am Samstag schon ausgefuchst das TV-Programm studieren, ob denn tatsächlich etwas dabei ist.

So bewerben sich einige Sendungen am geliebten Samstag Abend um die Gunst begeisterter Zuseher: das Vierte bringt im Rahmen ihrer Reihe „made in Deutschland“ den großen Bagarozy; in den Hauptrollen Corinna Harfuch und Til Schweiger. Mein erster Fehler an diesem Abend. Bernd Eichinger in der Regie, einigermaßen gute Schauspieler (sogar Detlef Buck hat sich kurz hergegeben), da kann doch wenig schiefgehen. Nach der ersten Werbepause ist aber schon Schluss. Til Schweigers Filstelstimme und die lahme Handlung ohne Esprit treiben mich zum Umdenken. Gottschalk’s Wetten dass…? ist erst mal tabu, der ist ja noch langweiliger als die letzte Sendung von Schlag den Raab.

Also muss am Samstag Abend tatsächlich dem Sonntag vorgezogen werden. Allerdings gewissermaßen rückwirkend. Ein Münsteraner Tatort wird gezeigt; in den Hauptrollen Axel Prahl als Kommissar Frank Thiel und Jan Josef Liefers als eloquenter, aber ständig quasselnder Professor Karl-Friedrich Boerne. Man weiß also, was man hat und die nicht verzeihende Russin wird am Ende sogar bekehrt. Schön. Das einzige Problem: der Tatort dauert leider nur 90 Minuten. Das ist nicht abenfüllend.

Also landet man doch unweigerlich im ZDF und Gottschalk’s Langeweile. Die Wetteinsätze haben schon lange an Attraktivität verloren und Thomas G.’s Kalauer kratzen regelmäßig am Verfallsdatum des deutschen Humors. Nun ja, die Wetten sind eher dröge. Ein Fassadenkletterer schafft die 18 Stockwerke an einem von Saugnäpfen gepflasterten Weg schneller als der momentan amtierende Weltmeister im Treppenlaufen. Und ein Kandidat wollte wohl unbedingt ins TV, weil er es schafft, in einer Minute sich 45 mal mit dem Fuß an die Stirn zu schlagen. Lustig dabei ist eigentlich nur, dass der Mann Lehrer ist. Vielleicht aber auch traurig…

Auf der Couch sitzen Goldmedaillengewinner Matthias Steiner, Anke Engelke, Günter Jauch, kurz Pink und Kid Rock, der Tommy, Jamie Oliver und Uma Thurman. Von letzterer hätte man immerhin erwartet, dass sie mit Verve ein wenig Leben in die Bude bringt. Allerdings scheinen sämtliche weiblichen Hollywoodstars auf der ZDF Couch ihren Verve in der Garderobe gelassen zu haben. Eine höchst alberne, kichernde und obendrein sinnfrei plaudernde Thurman, die dem Fassadenkletterer unbedingt ein Auto andrehen wollte, lässt das Niveau komplett in alle Niederungen sinken. Auch Fernsehkoch Jamie Oliver kann da nichts ändern, der ebenfalls überaus höflich jedem Land eine sensationelle Küche zugesteht. Gähn. Gut, dass dieser Spuk bald ein Ende hat.

Das anschließende Heute Journal vergeht mit Marietta Slomka wie im Fluge und das aktuelle Sportstudio kann kommen. Auf dem Ersten wird hingegen mal wieder geboxt, was auch nicht wirklichen Unterhaltungswert bietet. Der gut frisierte Steinbrecher darf schließlich Christoph Daum als Studiogast begrüßen, der aber auch nur Plattitüden von sich geben darf. Hoffenheim ein tolles Modell, aber er möchte ein Kölner Modell installieren, mit viel Herz und Tradition. Beim Thema Podolski gerät ihm unfreiwillig sogar noch ein Lacher, als er empfiehlt, man möge doch den Uli Hoeneß anrufen, weil der mehr wissen könne.

Na ja, ich bin froh, dass sich dieser Abend steil seinem wohlverdienten Ende entgegen neigt. Das Programm gibt außer sexy Clips auf DSF nichts mehr her und vielleicht wäre es jetzt wirklich an der Zeit, das gute Buch zur Hand zu nehmen. Beim nächsten Mal bin ich schlauer.

Ein Kommentar

  1. Ruben 10. November 2008

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