In Concert

Es wurde auch Zeit: endlich mal wieder selbst und ganz privat auf einem schnuckeligen Konzert. Diesmal: Death Cab For Cutie. Die vier Herren aus Seattle zauberten einen ganz beeindruckten Sound in die Münchner Muffathalle. Die unverwechselbar charismatisch Stimme von Ben Gibbard, der „Master of Sound“ Chris Walla, der neben Gitarre vor allem für die künstlichen Sounds zuständig ist, die Death Cab immer auf einer Soundwolke zu tragen scheinen. Dann noch Bassist Nick Harmer und Drummer Jason McGerr, die solide ihren Part absolvierten. Gemein eigentlich, aber neben Sänger Gibbard kommt leider erst mal nix und Zeit sich ausgiebig auszuzeichnen, bleibt bei einem Konzert mit diesem speziellen Sound doch arg schwierig.

Auffallend ist allerdings, dass die Band vor allem super junges Publikum anzieht. Offensichtlich wird der Sound hier in irgendeiner Radiostation rauf und runter gespielt – ich höre ja kein Radio – wie sonst ließe sich das erklären. Leider schleicht sich mit den juvenilen Konzertgängern auch eine unsägliche Marotte ein: das ständige Quatschen während des Konzerts. Und wenn mal der Mund zu sein sollte, wird erst mal das Handy aufgeklappt, um wild SMS zu schreiben, wie geil es doch hier ist. Alles hat Eventcharakter neuerdings und die sich abmühenden Musiker auf der Bühne verkommen eher zu einer lustigen Begleiterscheinung. Die Frage, warum man Eintritt zahlt, um sich mit Bekannten lautstark unterhalten zu müssen, leuchtet mir nicht ein. Das kann ich doch auch billiger haben und ohne späteren Stimmverlust. Als ich noch richtig klein war, kam ich ohne Stimme von Konzerten, weil ich einfach alle Lieder mitgesungen oder -gegrölt hatte.

Nun ja, vielleicht wird sich das auch wieder ändern. Ich träume ja davon, dass die Musiker von morgen auf Konzerten erst mal verbieten, dass man die Handys mit hineinnimmt. Und wenn dann doch hochwertige Bilder mit den kleinen Gadget-Kameras entstehen, sollten sie einfach von der Bühne gehen. Offensichtlich müssen die Zuhörer wirklich wieder erzogen werden, dass zu tun, was sie tun sollen – nämlich zuhören und ordentlich mitrocken.

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