Ein Herz für die Amerikaner

Kaffee mit George

Kaffee mit George

Na, eigentlich haben wir es schon seit geraumer Zeit geahnt und gehofft, dass Barack Obama gegen das reichlich seltsame Republikaner Gespann McCain – Palin gewinnen wird. Jetzt wissen wir es, dass die USA tatsächlich einen afroamerikanischen Präsidenten bekommen wird. Und ich juble mit, weil ich – zugegebener Maßen nicht übermäßig politisch interessiert – daran glauben will, dass mit dem jungen schwarzen Mann und seinem Gefolge tatsächlich ein Ruck durch die Vereinigten Staaten geht. Immerhin haben die Demokraten jetzt auch das Sagen im Senat und das kann für wichtige Entscheidungen enorm wertvoll sein. Jetzt wagt man wieder zu hoffen, dass die Amis die Augen öffnen und das ein oder andere politische Verbrechen des Vorgängers wieder korrigiern. Ein Anfang wäre ja schon getan, wen man das Kyoto-Protokoll endlich unterzeichnen würde und sich nicht mehr anmaße, die Welt alleine retten zu können. Ob das tatsächlich geschehen wird, steht noch in den vielen Sternen, die da auf der amerikanischen Flagge sind.

Unterdessen kann ich jetzt am frühen Morgen noch genüsslicher an meiner Kaffeetasse nippen. Es war ja klar, dass „W.“ nicht wieder gewählt werden konnte (und mit McCain und Palin wäre es nicht besser geworden) und die Welt wird ihn auch nicht vermissen, aber die letzten acht Jahre werden dann doch in Erinnerung bleiben. So oder so. Waren sie doch voll von unverträglichen Dingen: Kriegserklärungen aufgrund falscher Tatsachen, eine ständig z.T. recht künstlich heraufgeschworene Terrorgefahr, Umweltsünden am laufenden Band und Repression, wo es nur möglich scheint. Vielleicht fällt es auch nur so stark auf, wenn der US Präsident solche Dinge macht, weil eine enorme wirtschaftliche Interessengruppe dahinter mit den Hufen scharrt. Non olet, Geld stinkt bekanntermaßen keineswegs.

Passierte dies alles in Afrika, krähte kein Hahn danach. Der Film „Hotel Ruanda“ ist nur noch vom Titel her in den Köpfen drin. Die neuerlichen Unruhen kümmern eigentlich niemanden mehr. Zwar geht es auch hier um Wirtschaftsgüter, nämlich Diamanten, aber das ist dann doch scheinbar Lichtjahre vom Rest der Welt entfernt. Nicht mal ein Jahr hat der Friedensvertrag im Kongo gehalten, das Schlachten könnte weitergehen, die UN-Truppen schauen hilflos zu, weil sie ihne Kompetenzen und Rückhalt wenig unternehmen können. Ein Genozid Nummer zweit steht in den Startlöchern, die Welt schaut zu.

Dem neuen Präsidenten, der in 72 Tagen in das Weiße Haus einziehen wird, weht eine mehr als steife Brise ins Gesicht. Er wird ebenfalls harte Entscheidungen treffen müssen; den Terror wird auch er bekämpfen und Bush übernimmt breits seine Doktrin und entsandte Truppen nach Pakistan, um die Landesarmee zu unterstützen. Daneben hat er sich um das eigene Land zu kümmern: Rassismus, soziale Benachteiligung, Wirtschaftswachstum – keine leichten Themen in einer Zeit globaler Tristesse und Rezessionsangst. Die amerikanische Bevölkerung hat ihn gewählt, weil sie glaubt, dass er der geeignete Mann ist, diese Themen anzugehen. Und die westliche Welt hofft das ebenfalls.

Ich werde in jedem Falle jetzt wieder öfter genußvoll meine Kaffeetasse füllen. Heute solidarisiere ich mich ganz offiziell mit den Amis. Ein gutes Gefühl.

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