Kumpel weg, Klappe auf

Beim DFB herrscht dicke Luft

Beim DFB herrscht dicke Luft

Das Leben als Nationalspieler scheint in Zeiten einer globalen Finanzkrise deutlich schwieriger geworden zu sein. Man könnte mutmaßen, die Alten mit ihren Aktien und Fonds mussten derartige Verluste erleiden, dass sich das direkt proportional auf die Dicke ihrer Haut auswirkt.

Zuerst war da der Kevin K. der einfach aus dem Stadium geflüchtet ist, weil er nicht mal im Kader der 18 vermeintlich besten deutschen Spieler gewesen war. Das war allerdings noch knapp vor der richtigen Krise, vielleicht hatte er ja Insiderwissen. Nicht viel besser erging es dem Bremer Torsten F., der mal zu den richtig alten Haudegen gezählt werden darf. Zwar schaut er mit den vielen Tätowierungen und der langen Mähne äußerst maritalisch aus, aber aufs Feld durfte er von den 180 nur schlappe 6 Minuten. Ein Grund mehr, dass der Fringsa von mangelndem Respekt und Wertschätzung sprach, wo er doch bei Werder eine führende Stammkraft ist.Im Gegensatz zu Kevin, hatte Torsten immerhin einen prominenten Fürsprecher im Team: den großen Michael B. Auf die Frage, was er zu Torsten Fs. Degradierung zu sagen habe, entgegnete dieser gleich mit einer Art Nachruf auf den alten Spezl. Immerhin spielen die ja schon seit der U-21 gemeinsam im Nationaldress. Geholfen hat das freilich erst mal nicht, außer dass Torsten F. etwas bockig mit der Bild-Zeitung parlierte und sich Rücktrittsgedanken mache. Wahrscheinlich hat auch er richtig viel Geld an der Börse verzockt und muss jetzt seinen dicken Hummer verkaufen.
Weil aber der Fringsa und der Balla so dicke Freunde sind, hat sich letzterer vom ersteren eine Scheibe abgeschnitten und der FAZ ein laaaaaanges Interview gegeben. Nur hat er – Achtung: Parallele zu Kevin – dabei nicht so richtig nachgedacht, was er so erzählte. Eigentlich war es ein Rundumschlag, der zwar Torsten helfen solle, sich dann aber als Generalkritik am ganzen DFB-Tross entpuppte. Am meisten Fett bekam der arme Jogi L. ab (mangelnder Respekt und fadenscheiniges Leistungsprinzip), dann noch ein kleiner, aber sehr feiner Seitenhieb auf Jürgen K. und Oliver B. (Kahn hatte damals gegen Lehmann keine Chance), ehe der (ehemalige?) Kapitän der Deutschen Nationalelf inständig zu hoffen wagte, dass seinem Kollegen Torsten nicht das gleiche Schicksal ereile, wie Kahn und Kuranyi. Irgendwie haben sie doch alle keine Chance.

Interessant wird es aber, wenn man nach den Gründen für diese verbalen Ausraster, getarnt in diversen Interviews mal mehr (FAZ) mal weniger (BILD) seriösen Zeitungen, fragt. Da der Bundestrainer, wie ich finde nicht zu unrecht, keine Stammplätze vergeben kann, ist das ältere Personal nervös geworden. Sogar dem großen Ballack wehten schon Kampfansagen von weit jüngeren, aber nicht minder begabten Nachrückern, um die Ohren. Rolfes, Hitzelsberger, Schweinsteiger, sie alle können durchaus auch Fußball spielen. Sportlich ist der Michael aber schon noch eine Verstärkung, an die so leicht auch niemand herankommt. Aber den Torsten? Den haben sie doch schon fast alle eingeholt.

Überempfindlichkeit steht Fußballern einfach nicht. Wer tätowiert und mit dem Hummer an den grünen Rasen fährt, der kann doch Mimosenhaft nachkarten und mehr Respekt einfordern. Lamentos, dass man nach einer OP nicht sofort vom Nationalcoach angerufen wird, klingt auch eher nach Kinderei als nach gesundem Selbstbewusstsein. Vielleicht haben sich die Zeiten wirklich so geändert, dass – insbesondere bei fallenden Aktienkursen – das Personal noch mehr Bauchpinseln muss. Irgendwie ist Fußball gar kein Männersport mehr.

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