Ein Outing zur rechten Zeit

Lange hab ich mit mir gerungen, aber jetzt ist es soweit, es muss einfach raus: ich sympathisiere immer mehr mit der TSG Hoffenheim.

Uff, werden jetzt manche sagen, was will denn der mit dem Retorten-Club vom Dietmar Hopp. Keine Tradition, keine Fans, keine Atmosphäre, (noch) kein eigenes Stadion – nur ein riesiger Berg Geld, der… ja, genau, der nämlich so Einiges bewegt. Man mag zu den fußballverrückten Oligarchen, die munter Vereine dieser Welt aufkaufen, stehen, wie man will. Aber Hoffenheim ist ja keine beliebige Spielwiese für einen selbstverliebten Mäzen (nun ja, doch ein bisschen wohl auch), sondern ein Verein, in dem einiges richtig gut umgesetzt wurde. Ein wichtiges Mosaiksteinchen ist da gezielt auf das andere gesetzt worden und allmählich kristallisiert sich das große bunte Bild ziemlich gut und ertragreich heraus.

Nicht zu stoppen: TSG Hoffenheim

Den Anfang macht Trainier Rangnick. Ein Schwabe mit keineswegs oberlehrerhaftem Professoren-Image, sondern ein akribischer Arbeiter, der nimmermüde ist, Fachwissen in sich aufzusaugen und dieses an seine Eleven weiterzugeben. Und dabei hat er nach Hannover 96 und Schalke offensichtlich jetzt auch das richtige Umfeld gefunden. Einen Verein, in dem der Trainer wiken kann und maßgeblich am Strukturgebilde beteiligt ist, das absolut auf die Zukunft ausgerichtet ist. Darüberhinaus hat R.R. auch bei den Spielern das richtige Händchen, wie er wen anfassen muss, um alle bei Laune zu halten.

Weitgehend unbekannte Spieler sind im hoffenheimer Kader. Nur ist „unbekannt“ nicht mit „untalentiert“ oder gar „schlecht“ gleichzusetzen. Die Scouting-Abteilung der TSG hat mittlerweile wohl einen Orden verdient, so wie sie die gestern auf großer Fußballbühne unbekannten Gesichter förmlich aus dem Hut gezaubert hat. Und dabei darf man nicht vergessen, dass solche Systeme nicht von heute auf morgen funktionieren, sondern das Ergebnis eines längeren Arbeitsprozesses sind. Da bleibt nur zu hoffen, dass die Truppe noch ein wenig zusammenbleiben kann und nicht viele der Verlockung des ganz großen Geldes und der ganz großen Namen erliegen. Angeblich scheinen die großen Clubs vermehrt ein Auge auf die TSG geworfen zu haben.

Natürlich gehört eine Portion Glück dazu, dass die Maßnahmen des Vereins so schnell gegriffen haben und die TSG bereits im Jahre 2008 in der Bundesliga kicken kann. Das gehört dazu. Natürlich wurde dem berühmten Glück auf die Sprünge geholfen in Form eines nicht unerheblichen finanziellen Rückenwindes vom großen Mäzen dahinter. Legetim ist es allemal. Wo sich aber die TSG wirklich massiv von den neu aufgekauften Vereinen unterscheidet, ist die Herkunft. Chelsea oder Manchester City mussten nicht von ganz unten anfangen. Das aber ist genau der Vorteil, von dem Hoffenheim momentan massiv profitiert. Die Mannschaft wurde punktuell noch verstärkt, aber der Kader in der zweiten Liga entspricht weitgehend dem, der jede Woche in der Bundesliga aufläuft. Und da treffen dann alle Stürmer – allen voran Ibisevic, den Rangnick jüngst als Neuzugang handelte, weil jener in der Vorsaison seine Qualitäten noch nicht wie gewünscht auszuspielen vermochte.
Sollte die Defensive sich in absehbarer Zeit stabilisieren, dann kann man von dem Nahziel Nichtabstiegsplatz gerne das Fernziel internationaler Wettbewerb anstreben. Das Irrwitzige daran: richtig abwegig ist das nicht einmal. Vor allem, sollte die TSG Hoffenheim am Wochenende den Hamburger SV schlagen. Wen wundert’s: nicht einmal das wäre eine Überraschung.

edit: Spiegel war zwar erster, aber immerhin bringt er es jetzt erst online: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,585262,00.html

Ein Kommentar

  1. Peter Esser 28. Oktober 2008

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