Archiveinträge für WM

Die WM der Trötenwanderung

Es sei südafrikanische Kultur, sagt Fifa-Chef Sepp Blatter. Und deshalb dürfe man es auch nicht verbieten. Das gemeine Volk könnte sonst unnötig bevormundet werden. Schließlich ist es doch die erste Weltmeisterschaft im Fußball auf afrikanischem Boden und ein Verbot käme einer Bevormundung gleich. Die Rede ist, wer hätte es gedacht, von den Vuvuzelas, jenen Tröten, die immer fort mit lautem “Ööööööö” erklingen, als hätte irgendwer im Stadion in 34 Wespennester gleichzeitig gestochen.

Stein des Anstoßes: der Lärm der Tröten | ©kallejeep/photocase.com

Doch so vehement sich die Medien im Vorfeld der WM auf die bunten Tröten gestürzt hatten, so sehr stehen sie jetzt bei allen Beteiligten in der Kritik. Die Spieler (jammern, dass sie sich untereinander nicht absprechen können), die Trainer (ihre taktischen Anweisungen bleiben ungehört), die Medien (Interviews werden nach dem Spiel abgebrochen, weil niemand die Frage oder Antwort versteht) und auch noch die Zuschauer daheim vor den TV-Geräten (haben ARD und ZDF eine Tonstörung?), die, gänzlich enerviert, entweder den Ton oder die Glotze gleich ganz ausschalten.

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WM: Endlich mal nicht vorne dabei

oder: Erklär mir doch einer die Mechanismen der (Fußball-) Wirtschaft

Mensch, sind die deutschen Kicker aber genügsam. Gerade einmal 250.000 Euro bekommen sie für den Titelgewinn in Südafrika. Für alle 23 Spieler versteht sich. Dazu käme obendrein eine Prämie von 150.000 Euro für das Vordringen ins Finale. Diese Summe soll aber auch alle Beteiligten im Hintergrund erhalten. Wenn man das mal kurz ausrechnet, ergibt sich:

- WM-Prämie für 23 Spieler: 5.750.000 Euro
- Prämie für das Erreichen des Finales (ca. 30 Personen): 4.500.000 Euro

Den hübschen Betrag von 10.250.000 Millionen Euro können “unsere Jungs” also dem mächtigen Deutschen Fußballbund (DfB) aus den Rippen schneiden. Wobei, so klamm dürfte der ja gar nicht sein. Und wahrscheinlich sind darin noch nicht einmal die Auflaufprämien oder Bonuszahlungen für das Erreichen des Achtel-, Viertel- oder Halbfinales mit eingerechnet.

Mit Fußball kann man ja doch Geld verdienen

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Wenn “Il Capitano” austritt…

… oder: Da ist was faul im Italienischen Fußball

Gutes Essen, hervorragender Wein, mildes Klima, nette Menschen. Solche Dinge kommen einem sofort in den Sinn, wenn man an das Mutterland der Pasta, Bella Italia,  erinnert wird. Und wer fußballbegeistert ist, der denkt automatisch auch an den unverdientesten (weil unfairsten) Weltmeister seit Jahrzehnten, an leere Stadien durch die gerne mal rassistische Sprechchöre hallen und Francesco Totti, dem kongenialen Mittelfeldregisseur vom AS Rom, der bei seinem Verein längst Heldenstatus erreicht hat. Warum dem so ist, das weiß keiner so richtig, denn an Verfehlungen mangelt es dem gebürtigen Römer beileibe nicht: Wegen einer Schwalbe wurde “il Capitano” bei der WM 2002 gegen Südkorea mit gelb-rot vom Platz gestellt, bei der EM zwei Jahre später spuckte er den Schweden Christian Poulsen an (angeblich hatte er ihn provoziert) und wurde für drei Spiele gesperrt. Immerhin bewies er auch ein wenig Humor, als er – von den Medien salopp gesagt als Dumpfbacke verschrien – ein Witzbuch herausgab und sich selbst damit aufs Korn nahm.

Darf wohl auch nicht mit zur WM. Wenn auch aus anderen Gründen als Totti: Mario Balotelli ©inter.it

Überhaupt keinen Spaß verstand jener Totti allerdings im jüngsten Pokalendspiel gegen Inter Mailand. Wieder einmal verlor er die Beherrschung und, die drohende Niederlage vor Augen, tritt er beim Stande von 0:1 den jungen Stürme Mario Balotelli von hinten in die Beine. Weil sich das aber nicht gehört und dieser Pferdetritt weit mehr war als ein gewöhnliches Foul, sieht Totti wegen einer Tätlichkeit rot.

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Das große Aussieben

Heute ist es soweit: der vorläufige Kader für die Fußball Weltmeisterschaft wird bekannt gegeben. Spekulationen gibt es nicht zuletzt nach der Verletzung von Torhüter René Adler, wer denn nun die neue Nummer eins sein wird, aber, seien wir ehrlich, ist das ja nur eine Kleinigkeit. Ob Manuel Neuer oder Tim Wiese, spielt nun wirklich keine Rolle (wobei ich mir Wiese noch immer nicht im DFB-Dress und der Nummer eins auf dem Rücken vorstellen kann). Und dass der alte Jens Lehmann auch noch einen Meinung dazu hat, ist ohnehin klar und bedarf keiner weiteren Erwähnung.

Wer fährt mit, wer bleibt daheim? Vor der WM weiß man das nie genau.

Interessant wird’s jedoch, was vor dem Tor passiert. Phillip Lahm und Per Mertesacker dürften gesetzt sein, mal schauen, ob Jogi Löw die Courage hat, dazu einen Hummels oder Badstuber zu stellen (eigentlich hat er dazu keine Alternativen, aber wahrscheinlich darf Arne Friedrich ran. Gewissermaßen als Kompensation für eine katastrophale Saison mit der Hertha). Defensives Mittelfeld mit Michael Ballack und Bastian Schweinsteiger steht, davor könnte man getrost auf Toni Kroos, Mesut Özil und Marko Marin bauen. Allzweckwaffe Thomas Müller wäre universal einsetzbar und zur Not könnte auch Poldi links außen spielen, im Nationaltrikot bringt er ja ab und an noch ansprechende Leistung, wenn er seinem Kapitän mal keine runterhaut. Vorne streiten sich dann Miroslav Klose, Mario Gomez und Stefan Kießling um die freien Plätze. Bei einem System mit nur einem Stürmer, könnte Klose die Nase vorn haben, da aber so gut wie nicht eingesetzt bei den Bayern, würde ich doch Kießling auch ganz gerne sehen.

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Schuss vorm Bug zur rechten Zeit

Toll, was für eine Fußballwoche: Cacau schießt ein Tor nach dem anderen, kämpft sich zu einem 1:1 gegen Barcelona, dann kommen alle Deutschen Mannschaften in der Euro League weiter und Jogi Löw macht den Fehler nicht, den er vor der letzten Weltmeisterschaft machte: er legt sich auf seinen Stammtorhüter René Adler von Leverkusen fest. Da kommen die Argentinier als Sparringspartner gerade recht. Gut, da spielt ein gewisser Lionel Messi mit, aber den kann man irgendwie schon doppeln.

Etwas leer war auch der Auftritt der Nationalelf gegen die Argentinier

Und das Fußballherz darf erneut jubeln, nachdem die Aufstellung bekannt wurde: der gefestigte Bastian Schweinsteiger spielt mit Michael Ballack auf der sechs, Shootingstar Thomas Müller im Mittelfeld. Weniger lustig die Entscheidung, dass Miroslav Klose die einzige Sturmspitze bildet. Seit geraumer Zeit kommt er nicht bei Bayern München zum Einsatz und hat in dieser Bundesligasaison überhaupt erst ein Tor geschossen. Warum nicht gleich Cacau bringen?

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